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Wilders Geheimnisse

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Was geschieht, wenn ein junger Spitzenathlet und seine Highschool-Liebe in Florida  beginnen, auf Entdeckungsreise nach innen zu gehen, und den Entschluss fassen, alles Nötige zu tun, die Geheimnisse romantischer Liebe, göttlicher Ekstase und spiritueller Transformation des Menschen zu erforschen?
Schließe dich John Wilder und Devi Duran an, auf ihrer revolutionären Reise der Verwandlung durch Herz, Verstand, Körper und Sexualität.  Fahre mit auf ihrer Entdeckungsreise zu heiligen Techniken für die Kultivierung tiefer innerer Stille, Ekstase und Erleuchtung. Diese Entdeckungen werden einmal dafür sorgen, dass sich auf der Erde einiges verändert, doch auf wessen Kosten?

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Yogani ist ein amerikanischer spiritueller Wissenschaftler, der mehr als dreißig Jahre damit beschäftigt war, alte Techniken für die Kultivierung der menschlichen spirituellen Transformation von überall auf der Welt zu einem effektiven System zu vereinigen. Der von ihm entwickelte Ansatz ist keine Sekte und steht jedem offen.
 
Im Jahre 2003 gründete Yogani eine Yahoo-Gruppe, in der er ein sehr effektives System yogischer Technken und teilweise geheimstes yogisches Wissen vorstellte. Unklarheiten klärte er in vielen beantworteten Fragen. Der sich daraus entwickelnde noch nie da gewesene Fundus von Wissen und Ratschlägen spricht Anfänger wie Fortgeschrittene gleichermaßen an und stieß bald weltweit auf große Resonanz.
 
Nach Übertragung auf eine eigene Internet-Site mit gut besuchtem Forum stellte Yogani das zusammengetragene Wissen systematisch in einzelnen Bänden bereit, die nun dem deutschsprachigen Publikum in der FYÜ (Fortgeschrittene Yoga Übungen)-Erleuchtungsreihe zur Verfügung gestellt werden.
 
Yogani wahrt seine Anonymität auch gegenüber seiner inzwischen beträchtlichen Zahl von engagierten Mithelfern. Doch wurde inzwischen auch einiges über ihn bekannt:
Geboren in New York wuchs er in einer christlichen Umgebung in den 1950er und 1960er Jahren auf, erhielt eine wissenschaftliche Ausbildung und verfolgte seine Karriere, heiratete und hat Kinder. Die ganze Zeit war er auch bemüht das von seinem christlichen Elternhaus Empfangene zu erweitern und zu vermehren. Systematisch integrierte er esoterische Methoden aus dem fernen Osten in seine Routine von täglichen spirituellen Übungen. Mehr als dreißig Jahre später, nun in Florida im Ruhestand, entschloss er sich all sein Wissen und seine Erfahrungen niederzuschreiben, damit von der Bilanz seiner Nachforschungen andere Wahrheitssucher profitieren können
 
Aus einer kleinen Yahoo-Group entstanden so in wenigen Jahren ein vielseitiges Webangebot, über 10 Bücher und Übersetzungen in andere Sprachen.
Inhaltsverzeichnis
Motto:    3
Kapitel 1 – Die Frage    6
Kapitel 2 – Pläne und Geheimnisse    16
Kapitel 3 – Diese Augen    27
Kapitel 4 – Einweihung    37
Kapitel 5 – Der große Engel    50
Kapitel 6 – Die Suche nach Gott    62
Kapitel 7 – Der Berg    69
Kapitel 8 – Ekstatische Ausstrahlung    81
Kapitel 9 – Der schnellste Mann der Welt    92
Kapitel 10 – Steigende Flut    106
Kapitel 11 – Zwei Brüder    119
Kapitel 12 – Die geheime Kammer    130
Kapitel 13 – Verbrannt    139
Kapitel 14 – Der heilige Tunnel    148
Kapitel 15 – Das Gute teilen    158
Kapitel 16 – Eine Flut von Wissen    167
Kapitel 17 – Wundertäter    177
Kapitel 18 – Himmlische Heilung    183
Kapitel 19 – Der Geschäftemacher    191
Kapitel 20 – Gott in Blue Rich Hollow    197
Kapitel 21 – Vereinigung    210
Kapitel 22 – Tanz in der Stille    223
Kapitel 23 – Liebeswellen    236
Kapitel 24 – Rückkehr    242
Kapitel 25 – Das Schenken einer Mutter    251
Kapitel 26 – Der Lehrer    260
Kapitel 27 – Perlen und Schweine    273
Kapitel 28 – Öffnungen    287
Kapitel 29 – Wolken im Norden    299
Kapitel 30 – Ein Gerichtstermin    304
Kapitel 31 – Orientierungsplan    310
Kapitel 32 – Übergang    319
Kapitel 33 – Für die Welt    322
Kapitel 34 – Aufsteigen    336
Nachwort des Übersetzers    339
Weitere Veröffentlichungen des Verlags    340

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Kapitel 1 – Die Frage

Warum nicht ich?
John Wilder strich sich das sonnengebleichte Haar aus den Augen. Der starke Herbstwind blies es wieder zurück. Doch das merkte er nicht. Auch das beständige Getöse der Brandung, die hinter seiner Schulter wütete, hörte er nicht. Er saß hoch oben auf den Dünen, die Ellbogen auf den nackten aufgestellten Knien. Den Kopf hatte er auf die Hände gestützt. Er war in Bann geschlagen von dem Wunder, das sich vor ihm entfaltete.
Langsam schlüpfte und rutschte es heraus.
John ließ sich auf die Seite in den warmen Sand fallen und beobachtete aufmerksam die noch zittrige Kreatur. Diese richtete sich unsicher auf der nun leeren Hülle auf, die an einem Strang des sich im Wind wiegenden Seegrases klebte. Langsam und behutsam spannte sie die Flügel und trocknete sich in der Morgensonne. Nach einer Weile erhob sie sich noch etwas unbeholfen in die Lüfte. Er rollte sich auf den Rücken und lächelte in den blauen Himmel des nordöstlichen Florida mit seinem lebendigen Muster wunderlich glitzernder Lichtflecken. Und da, schon flog der Schmetterling los und flatterte auf seinen großen goldenen Schwingen davon. Als er so flog und allmählich aus der Sicht verschwand, standen seine Augen vor lauter Freude weit offen …
Noch nicht oft war er Zeuge der Verwandlung einer Raupe in ein filigranes Geschöpf der Lüfte gewesen. Doch wenn es sich ergab, hielt er immer inne, um dem Schauspiel der sich qualvoll entfaltenden Schönheit der Natur beizuwohnen und das fantastische Mysterium mitzuerleben. Er wünschte sich, auch ein Schmetterling zu sein. So stark war sein Verlangen, verwandelt zu werden, dass er sich schwor, er würde in diesem Leben einen Weg finden, viel mehr zu werden als ein bloßes menschliches Wesen, das von diesem Körper und diesen Gedanken an die Erde gefesselt blieb.
Er lag im Sand auf dem Rücken und sann über seine 18 Erdenjahre nach.
Wie kann ich hier ausbrechen?
Er stierte in das riesige, atmende Blau. Eine tiefe Stille überkam ihn, hüllte ihn ein. Langsam schlossen sich seine Augen. Er verschwand aus der Welt, wusste nicht mehr, wo er war. Dann hörte er die Stimme der Frau.
Komm zu mir.
Seine Augen schossen auf. Er sprang auf die Füße und sah sich um.
Da war niemand weit und breit.
»Wer bist du?«, schrie er nervös ins Leere und suchte mit den Augen die großen weißen Aufschüttungen ab, die das Ufer schützten.
Da war niemand.
Diese Stimme hörte er schon seit mehreren Wochen. Sie kam immer dann, wenn sich seine Sehnsucht tief in seinem Inneren, dort wo er still war, einnistete. Diese Stimme schien aus diesem Inneren zu kommen. Sie war ihm vertraut, doch wusste er nicht, wohin sie genau gehörte. Und schon war sie wieder weg.
Er sank zurück in den Sand und auch zurück in den spirituellen Hunger, der ihn niemals verließ.
Nach einer Weile stand er auf, starrte hinüber zum wuchtigen Bau des Coquina Dame Hotels, der mit seinen verbretterten Fenstern und Türen im Schutz der Dünen immer mehr verfiel. Dann wandte er sich wieder zum Meer und sauste, die Füße einwärts gedreht, als hätte er zum Pflug geformte Skier unter sich, spielerisch den großen Sandhang hinab. Zwischen den Büscheln großen wehenden Grases manövrierte er hindurch und blickte über die gewaltige Brandung mit den endlosen weißen Häubchen zum sich kräuselnden Horizont.
Draußen, 300 km vor der Küste, bahnte sich ein Hurrikan wirbelnd den Weg von der Karibik hoch zu den äußeren Sandbänken von North Carolina, eine weitere tobende Schönheit, die an der konkaven Küstenlinie der Region Jacksonville vorbeistrich. Hier war kein Wölkchen am Himmel, die Sonne schien. Doch der Wind brauste über den Horizont herein und brachte das riesige chaotische Meer mit sich. Dessen süßer salziger Dunst winkte ihn zu sich. Es hob und senkte sich rhythmisch, schleuderte seine Wellen auf die weite Küste und verspottete ihn sichtlich.
John starrte aufs Meer hinaus: »Bist du es, der mich ruft?«
Als Antwort bekam er nur das Getöse zurück.
Er zog sein T-Shirt aus, stürzte sich ins warme verführerische Wasser und tauchte unter eine große Welle, die sich hungrig über ihn einrollte – dann kam die nächste und noch eine. Durch die erste Wellenlinie schwamm er und nahm Kurs auf die äußere Brandung, wo die Wellen dreimal so hoch waren. Die Mauern aus Schaum, die brausend auf ihn hereinstürzten, untertauchte er. Ein Dutzend Mal tauchte er so, bis er die äußere Brandung erreichte. Schon ein bisschen müde hielt er sich wedelnd an einer Stelle, während er mit Wogen, so groß wie zweistöckige Häuser und immer am Rande in tobende Verwüstung abzubrechen, auf und niederschwebte. Das Ufer schien meilenweit entfernt.
Sein Adrenalin pumpte jedes Mal vor Erwartung, wenn ihn eine Welle hoch mit in die Luft nahm.
Ich krieg schon eine. Ich weiß, dass ich das kann.
Mit einem Schnappen des Kopfes zur Seite peitschte er Haare und Seewasser aus den Augen. Der salzige Geschmack durchdrang ihn. Dann lächelte er in sich hinein wie ein Fallschirmspringer, der im Begriff steht, mit einem noch nicht ausgetesteten Fallschirm aus dem Flugzeug zu springen. Das Näherrücken des Showdowns rief in ihm die entsprechenden Gefühle hervor. Es war etwas wie tiefe Ruhe, gleichzeitig aber auch intensive Lust. Das war es, zu was er werden wollte. Manchmal fühlte er sich so auch beim Querfeldeinrennen, wenn er im Kampf um den erneuten Sieg schon an der Schwelle zur Ohnmacht zum Endspurt ansetzte. Er verlor da immer das Gefühl für alles, sogar für seinen Körper, doch innerlich war er lebendiger als zu jeder anderen Zeit. – Das war ein Sterben, das ihn mit Leben erfüllte. Er war hier und forderte das Meer heraus, ihn wieder so weit zu bringen.
Als die nächste turmhohe Welle nahte, schwamm er wie verrückt, sich von ihr erfassen zu lassen. Sie erfasste ihn wirklich – bloß eine Sekunde zu spät. Die Wellenspitze leckte, schon kurz davor abzubrechen, am Himmel, und er befand sich immer noch da oben. Eigentlich hätte er schon längst das Gefälle hinabrutschen und sich um einen Rettungsritt da vorne draußen bemühen müssen. Besser wäre es gewesen, er wäre noch ein bis zwei weitere Sekunden zu spät drangewesen. Dann hätte er nur mit dem turbulenten Kielwasser hinter der Welle fertig zu werden brauchen. Nein, er war in diese Welle irgendwie falsch eingestiegen. Er erkannte das, als ihm klar wurde, er werde es nicht in das Gefälle hinunterschaffen. Stattdessen hing er da ganz oben fest, wo ihm nichts übrig blieb, als schließlich in den Abgrund hinunterzufallen – und Tonnen malenden Wassers hinter ihm her.
Noch nie hatte er sich in solch einer Situation befunden, ganz oben auf einer so großen Welle. Er wusste, wie man sich zu einem Ball einrollt: Den Kopf zwischen die Knie nehmen und die Arme um die Schienbeine klemmen. Er hoffte, er würde unten nicht zu hart aufschlagen. Schwillt eine Woge an, wird es vor ihr seicht, auch wenn man sich so weit draußen befindet, und da würde er dann landen. Er nahm einen letzten Atemzug, rollte sich ein und stürzte zusammen mit dem Wasser senkrecht nach unten. Es war, als ginge es die Niagarafälle hinunter – nur ohne Fass.
Bums … wuusch … Unten schlug er mit dem Rücken auf. Dabei entwich ihm die Hälfte der Luft. Er purzelte wild umher. Den Kopf hielt er noch fest angezogen und umschloss die Schienbeine mit einem Todesgriff. Er klammerte sich an die restliche Luft. Damit musste er auskommen, bis die Woge ihn hinter sich freiließ – und vielleicht auch noch für die nächste, die möglicherweise schon da war, wenn er wieder hochkam.
Die peitschenden Strömungen schienen stundenlang weiterzugehen. Seine Lungen schrien nach Luft. Irgendwie gelang es ihm aber, dieser drängenden Empfindung Stärke abzugewinnen. Es war das gleiche Phänomen, das er schon beim Laufen entdeckt hatte: Ein Sauerstoffmangel rief tief aus dem Inneren eine mysteriöse Energie hervor. Darüber nachzudenken war im Moment keine Zeit. Doch er fühlte Dankbarkeit, dass ihn dies nun vor dem Ertrinken errettete. Als er in den Fußstapfen der über ihn weggezogenen Welle, dem zurückgebliebenen leichten Schaum, den Kopf über das Wasser brachte, starrte er aber bereits auf das nächste Monster, das auf ihn zulief wie ein hungriges Raubtier. Er verschlang so viel Luft, wie er konnte, tauchte unter und formte sich wieder zum Ball, der auf den Grund gedrückt wurde, als der ganze Atlantische Ozean auf ihn herunter krachte. Der Ball brach auf und wieder wurde die Luft aus ihm herausgepresst.
Er war benommen, desorientiert, am Rande der Bewusstlosigkeit. War es das für ihn? Sollte er das große Meer einatmen und eins werden mit allem Leben? Da sah er ein Licht und schwamm instinktiv darauf zu. Er durchstach die Oberfläche, war in der Luft und holte tief Atem. Hätte ihn in diesem Augenblick eine weitere Welle getroffen, wäre es um ihn geschehen gewesen. Verzweifelt nahm er noch einige tiefe Atemzüge und blickte sich dann um. Eine Flaute war eingetreten – da war nichts als eine dünne Schaumspur zwischen ihm und dem sicheren Ufer. Er würde es schaffen, wenn er keine Sekunde verlor.
Aber er drehte sich noch einmal um, Richtung Meer, sah die berghohen Wogen weit draußen anschwellen und auf sich zueilen. Die Entscheidung war für ihn leicht – er bewegte sich nach draußen, direkt auf sie zu. Er erkämpfte sich den Weg unter einer Kette riesiger Wellen hindurch, um zur äußeren Brandung zurückzukommen. Er hatte Schmerzen, fühlte sich ausgekocht und erschöpft. Doch schließlich schaffte er es wieder bis dorthin, wurde wieder hoch über den Scheitel der gigantischen Wasserwände gehoben, bereit es erneut zu versuchen. Das war alles, was zählte.
Er sog so viel Luft ein, wie er konnte. »Eine von euch werde ich reiten, auch wenn ich dabei draufgehe!«, brüllte er und schwang seine Faust gegen die endlose Prozession der Giganten, die, vom Hurrikan hinter dem Horizont losgesandt, auf ihn zurollten.
Eine war gerade dabei, ihn zu erreichen. Seine Arme und Beine fühlten sich an wie Gummi, als er um sich schlug, um sich ihrer zu bemächtigen. Diesmal gelang es ihm, vor sie zu kommen, und auch nicht zu weit nach vorn. Er traf es genau richtig und kam, den Kopf voraus, die gewaltige Schräge hinunter. Mit den Armen an den Seiten steuerte er und brüllte die ganze Zeit nur:
»Yeeeehaaaa!«
Die Welle explodierte und er ging in dem Weiß hinter der Vorderkante des brausenden Wassers auf. Er behielt weiterhin die Haltung eines Brettes bei, wusste, dass er es jetzt hatte. Er spürte, dass er unter dem Schaum den Berg hinabglitt. Dann schossen sein Kopf und die Schultern an die Oberfläche und behaupteten ihren Platz vor dem weißen Feuersturm, der dem Strand entgegenflog. Als er und die Welle zur inneren Brandung kamen, wurde die Welle langsamer, und er begann zu schwimmen, um sich ihr – nun viel kleiner – wieder zu bemächtigten, bevor sie zum zweiten Mal brach. Er ritt sie bis ganz zum Strand und hielt dann auf dem festen Sand plötzlich an wie ein Kampfjet, der gerade auf einem Flugzeugträger landete.
Erschöpft rollte er sich auf den Rücken. Die Relikte der Riesenwelle, die wieder zurück in den Schlund des Ozeans gezogen wurden, plätscherten an seinem geschlagenen Körper vorbei. Im feuchten Sand breitete er Arme und Hände weit aus und begann zu lachen, dass es ihn ganz durchschüttelte:
»Whiwiiiii!«
Immer noch lachend stand John auf und taumelte zu seinem Hemd.
Dort standen sechs Spaziergänger mittleren Alters. Sie hatten den verrückten Jungen beobachtet, wie er fast hundert Meter draußen von der wilden Brandung umhergeworfen wurde. Ihr augenscheinlicher Anführer, ein Mann in Bermuda Shorts und Panamahut mit einem großen sonnenverbrannten Bauch kam auf ihn zu.
»Ist mit dir alles in Ordnung, mein Junge? Wir hätten fast die Rettungskräfte alarmiert.«
John grinste: »Oh ja, mir geht es gut.« Er wandte sich zum Meer, warf blinzelnd den Kopf etwas zurück und drehte sich dann langsam wieder zu dem Mann.
»Eine ganz schöne Brandung, huh?«
»Das da draußen sieht gefährlich aus. Hast du gewusst, was du da tust?«
John schüttelte heftig den Kopf, blies blubbernd durch die Lippen und schleuderte Wasser auf die rötlichen Füße des Mannes. »So ungefähr.« Mit dem Hemd wischte er über sein Gesicht. Dann begann er, mit geneigtem Kopf auf einem Fuß hoch und nieder zu hüpfen, um das Wasser aus dem Ohr zu bekommen. Aus seinem struppigem Haar fielen Tropfen salzigen Meerwassers in den Sand.
»Das Reiten … war das das Risiko wert?«, fragte der Mann.
»Für mich? Ja. Neben dem Reiten spielt da aber noch etwas anderes mit.«
»Was zum Beispiel?« Der Mann nahm den Hut ab, kratzte sich am kahlen Schädel und bedeckte ihn schnell wieder.
John schaute hoch in die gleißende Sonne und dann in die von einer Sonnenbrille bedeckten Augen des Mannes. »Das ist schwer zu erklären, Sir. Es ist eine Art innerer Öffnung – ein Darüber-hinaus-Gehen.«
»Ein Darüber-hinaus-Gehen? Über was hinaus?«
»Glauben Sie nicht, dass es da noch mehr geben könnte, als was wir hier sehen?« Und während er die Worte sprach, machte John mit einem ausgestreckten Arm eine langsame weite Geste, so dass er damit das Land und das Meer umfasste.
Der Mann folgte Johns Hand. »Gut, nein ... das glaube ich nicht, mein Junge.«
Johns Arm hing für eine Sekunde wie ein unbeendeter Satz in der Luft und fiel dann wieder an seine Seite zurück. Die Hand klatschte gegen seine durchnässte abgeschnittene Jeans. Auch sein Gesichtsausdruck hing für ein paar Sekunden in der Luft … »Egal, jedenfalls war ich deswegen da draußen.«
Er zog sein Hemd über, gab dem Mann, der Frau hinter ihm und den beiden anderen touristisch anmutenden Paaren einen nasssalzigen Gruß, und joggte auf seine taubenfüßige Art am Ufer entlang nach Norden. Als er etwas schneller wurde, wurden seine Hände lockerer, öffneten sich und die Finger begannen, mit jedem beschleunigendem Schritt auffallend nach unten zu schnalzen. Er machte sicher nicht den Eindruck eines Hochschullandesmeisters im Querfeldeinrennen. Allerdings war er das – und zwar zwei Jahre hintereinander.
 Die Spaziergänger schauten ihm nach, wie er langsam verschwand, dieser kleine drahtige Teenager, der sich der tobenden See ausgeliefert hatte, lachend zurückkehrte, ein paar mystische Brocken hervorsprudelte und einfach so forttrabte. Nach einer Minute war er nur noch ein davoneilender Punkt an der Küste.

Das Haus stand fünf Kilometer den Strand weiter hinauf, nahe des nördlichen Zipfels der Coquina Island. Die Sonne stand strahlend hoch am Himmel. Der Morgen hatte dem Mittag Platz gemacht. Die tosende Brandung gemeinsam mit dem stetig blasenden Nordostwind kleideten die Küstenlinie in einen dunstig leuchtenden Schleier. John trabte durch die weiße, sonnengetränkte Feuchtigkeit. Seine schlanken Beine durchschnitten die am Strand verteilt liegenden Schaumhügel. Innerlich fühlte er sich größer, eine Folge des Hochgefühls nach dem Wellenreiten und der Anstrengung des Laufs.
Schmerzen sollen mich nicht beeindrucken. Wenn ich mich durch das Laufen nur genügend fordere, sprenge ich vielleicht die Begrenzungen dieses Körpers. Das werde ich auch versuchen.
Er beschleunigte auf dem harten nassen Sand ... rannte schneller und schneller.
Gut, eine Raupe schafft das ja auch ...

Als er zu Hause ankam, ging sein Atem schwer. Seine Haut glänzte vor Schweiß. Während er noch den langen hölzernen Laufsteg über die Dünen nach oben lief, hörte er ein Rufen.
»Hey, du Würstchen, wo bist du gewesen?«
»Kurt? Bist du schon von der Florida State Uni zurück?« rief John. »Du bist doch erst letzte Woche fort.«
Kurt Wilder stand inmitten der Palmen ganz oben an den ausgebleichten hölzernen Stegen, die über die große Düne zur Veranda vor dem Haus führten. Jede Hand hatte eine Seite des Geländers ergriffen und versperrte John so den Weg.
»Nicht noch einmal«, rief John, als er die Stufen hochtrottete.
»Wie in alten Zeiten«, gab Kurt zurück. »Wenn du durch willst, zahle erst 'nen Dollar.«
»Ich habe kein Geld in der Tasche. Sehe ich so aus, als hätte ich einen Dollar bei mir?« John streckte die Arme hoch, um zu zeigen, dass er nur die nassen abgeschnittenen Jeans und ein verschwitztes graues T-Shirt mit der ausgebleichten Aufschrift vorne Duval High Cross-Country anhatte. »Auch wenn ich einen Dollar hätte, warum denkst du, sollte ich den einem Trottel wie dir geben?«
»Hey, sei nicht so frech.« Kurt wich nicht von der Stelle. Er war vier Jahre älter und 1,83 groß, fast 15 cm größer als sein jüngerer Bruder.
John lief die restlichen Stufen hoch zu Kurt. Kommt mir fast so vor, als würde er jedes Mal auf mich warten, wenn ich diese Stufen hinaufgehe.
Als er ganz oben ankam, hielt er an.
Kurt hatte ein breites Grinsen auf seinem mit Aknenarben übersäten Gesicht. »Hi, du Träumer.«
John versuchte, sich durchzuwinden. Aber Kurt gab ihm einen Stoß mit dem Knie, der ihn den halben Weg über die Treppe nach unten schickte. John kam aber sofort wieder zurück nach oben.
Gerade als er oben ankam, ließ Kurt eine Hand los. »Was hast du denn da draußen angestellt?«
John wusste, dass Kurt sich nichts aus dem Strand oder dem Meer machte. Mit dem Sammelbegriff da draußen bezog er sich normalerweise darauf. Kurt hatte mehr ein Faible für Eroberungsspiele wie Schach, Risiko und für Studentenpolitik.
»Nicht viel. Danke für den freien Durchlass«, sagte John, als er vorüberging, und humpelte ein wenig, weil er sich beim Nach-unten-Fallen am Knie gestoßen hatte.
Da bestand keine Möglichkeit, Kurt etwas von dem Schmetterling zu erzählen. Er konnte sich selbst nicht erklären, warum es ihn zu diesen Dingen so stark hinzog. Wie sollte er also davon seinem nervigen großen Bruder erzählen. Kurt hantierte liebend gern mit der Fliegenklatsche, welchen Sinn hätte das also? John bedeutete es alles – diese Verwandlung ... diese Verwandlung. Sie erfüllte ihn mit Staunen.
Auf dem Weg zum Haus und zur Einsamkeit seines Zimmers dachte er darüber nach, warum ihn so etwas Einfaches wie ein Schmetterling so sehr beschäftigen konnte. Warum zogen ihn solche Dinge so sehr an? In seinem Leben schien es darum zu gehen, zu irgendetwas durchzubrechen. Aber zu was? Ihm ging es mehr um sich selbst, als um den Schmetterling oder Kurt. Sein stärkstes Interesse beschränkte sich auf etwas, das sogar er bedenklich fand. Er liebte es, über seine nebulösen inneren Möglichkeiten nachzugrübeln und verlor sich darin rückhaltlos. Er wusste, dass seine Eltern deshalb besorgt waren – er ja auch. Es war sein Abschlussjahr und er hatte noch keine Pläne. Was ist verkehrt mit mir? Und diese Stimme, diese Frau, die in meinem Inneren ruft. Wer ist sie?
Als er über den Rasen zwischen dem Haus und dem Swimmingpool lief, hatte Kurt ihn eingeholt. »Willst du nicht schwimmen gehen?«
»Nein danke.« Kurts Verständnis von Schwimmen beschränkte sich darauf, sich wie eine Seekuh im Pool zu suhlen und sich über Geschäfte und Politik auszulassen.
»Ich muss jetzt gehen. Bis später.« John war über die Seitentür in das weiträumige, mit schon etwas verwitterten Zedernschindeln verkleidete Haus getreten und sprang die knarrende Hintertreppe mit Drei-Stufen-Schritten hoch. Er durchschritt den langen modrigen Flur im zweiten Stock, ging in sein Zimmer und drückte die Tür zu, so dass das Schloss einschnappte.
Hier, in diesem Raum, durchlebte er seine aufregendsten Abenteuer.
Diesen Artikel haben wir am Mittwoch, 23. März 2016 in den Shop aufgenommen.
Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Homepage zu diesem Artikel.