Unsere Konsumkultur hat uns so konditioniert, dass wir glauben, falls wir etwas wollen, bräuchten wir nur in ein Geschäft zu gehen und es kaufen. Gleichzeitig wissen wir, dass alles, was den Besitz wert ist, auch wert ist, dafür zu arbeiten. Gehen wir einmal in ein Geschäft, um etwas zu kaufen, was wir wollen, kann das die Krönung einer langen Zeit des Ansparens sein, um den Kauf erst zu ermöglichen. Natürlich werden heutzutage viele Dinge auf Kredit gekauft, deshalb gibt es die Illusion der sofortigen Befriedigung.

Glücklicherweise kann die Erleuchtung niemand auf Kredit kaufen. Diese müssen wir uns durch unsere Bhakti und eine unablässige Hingabe in täglichen Übungen erst verdienen. Dann besitzen wir etwas, das die Begrenzungen von Zeit und Raum überwindet. Wir werden zu DEM.

Obwohl es bei spiritueller Reife nur um das Leben im Jetzt geht, braucht es seine Zeit, dort anzukommen, wo wir bereits sind. Es kann viele Gelegenheiten der augenblicklichen Befriedigung entlang des Wegs geben, auch wenn das Ganze auf einmal nicht drin ist. Hat man in sein Leben spirituelle Übungen integriert, wird es sich Schritt für Schritt verbessern und dabei kommt es zu vielen kleinen – und auch einigen großen – Wundern.

Erst recht trifft das auf unsere Handlungen im täglichen Leben zu. Auch wenn wir es gerne hätten, dass unsere Handlungen augenblicklich auf eine Ebene des Erleuchtetseins erhoben würden, ist das eine Reise – eine Evolution. Wie bei jeder Evolution beginnen wir dort, wo wir uns im Augenblick befinden, und nehmen den nächsten Schritt. Und letztendlich ist das Erlangen der Erleuchtung ein Weggeben. Je weniger wir sie brauchen, desto mehr davon werden wir haben (vgl. Lektion 120). Bis dahin ist unsere Reise ein evolutionäres Kreisen von Wunsch, Handlung und Öffnung, was zu mehr Wünschen, Handlungen und Öffnungen führt.

Bevor wir mit spirituellen Übungen beginnen, wird unsere Reise dazu tendieren, im Kreis herum zu verlaufen, zumindest vom Standpunkt des spirituellen Fortschritts her. Wir mögen ein sehr produktives Leben im materiellen Sinne leben, unser Bankkonto vollgefüllt haben und viele materielle Dinge besitzen und so weiter. Doch am Ende werden wir uns genauso fühlen wie zu Beginn – wir sehnen uns nach etwas mehr.

Für spirituellen Fortschritt ist immer Zeit, sogar bei unserem letzten Atemzug. Doch weil die menschliche spirituelle Transformation eine Reise der inneren Reinigung und Öffnung ist, gebührt es sich, so früh wie möglich zu beginnen und die Zeit, die uns zur Verfügung steht, bestmöglich zu nutzen. Rom wurde nicht an einem Tag erbaut!

Der erste wirklich evolutionäre Schritt in unserem Handeln ist das sich Einlassen auf tägliche Übungen. Das ist keine so große Angelegenheit – nur einige Minuten Sitzen in tiefer Meditation am Morgen und am Abend. Nur das ist notwendig, um den Ball ins Rollen zu bringen. Natürlich, bevor wir uns selbstverpflichten, Übungen zu machen, muss ein Wunsch da sein, etwas Bhakti, die sich in uns regt – etwas, das in uns sagt: »Da muss es noch mehr geben, als das.«

Reagieren wir darauf, werden wir herausfinden, dass es da mehr gibt – sehr viel mehr.

Die Evolution des Handelns beginnt also erst ernsthaft, sobald wir uns zu täglichen spirituellen Übungen selbstverpflichten. Dann befinden wir uns in einer Vorwärtsbewegung, während die innere Stille in uns beginnt aufzusteigen. Das ist hinfort ein ganz anderes Ballspiel. Wir reisen nicht mehr im Kreis herum, sondern mehr auf einer geraden Linie in die Richtung, in die uns unsere Sehnsucht führt. Die gerade Linie ist ebenfalls ein Kreis, einer der Reinigung und Öffnung, der sich immer weiter ausdehnen.

Schließlich transzendieren wir die Sehnsucht selbst und göttliche Energie fließt von uns nach außen, anstatt dass die Sehnsucht immer nach innen fließt. Dann haben wir den Kipppunkt der Erleuchtung überschritten. Der innere Fluss hat sich verlagert. Wir suchen sie nicht länger, wir verschenken sie!

Dann nimmt der Kreislauf von Wunsch und Handlung eine neue Dynamik an – er wird zu einem ständigen Ausströmen des Göttlichen. Das Ausströmen selbst ist eine Reise und hat ihre eigene Bestimmung. Das Etikett Erleuchtung mag dem aufgeprägt sein, so dass es Leute von außen sehen können, doch derjenige, der damit vollauf beschäftigt ist, kommentiert das nicht. Niemand muss das bekanntgeben. Das tut der Fluss der Liebe selbst.

Der Guru ist in dir.