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Frage: Krishnamurti und andere interessante Leute sagen, dass es verkehrt sei, sich auf Techniken einzuschwören, weil es keine Technik für die Meditation gäbe. Meditation sei immer, hier und jetzt. Ein Mantra zu rezitieren und Pranayama zu machen, bedeutet die Anwendung einer Technik. Und ich würde mal sagen, das geschieht mit der Absicht, mein Energieniveau anzuheben und mich einzustimmen, damit ich Glückseligkeit und die Welt auf ihren tiefsten Ebenen erfahren kann. Aber warum sagen einige Lehrer, dass Techniken falsch sind und dich auf Abwege bringen werden – und sie geben keine Unterweisungen, außer zu sagen: sei achtsam, oder vielleicht nicht einmal das. Warum, ist das irgendwie mit dem yogischen Standpunkt vereinbar?

Antwort: Das ist nur eine Theorie, aber vielleicht sind Leute wie Krishnamurti mit erfolgreichen Bergsteigern vergleichbar, die ihr Gedächtnis verloren haben. Sie stehen oben auf der Spitze des Berges und sagen zu jedem unten im Tal: „Du brauchst überhaupt nichts zu machen. Wach nur ganz einfach und automatisch auf der Spitze des Berges auf, wie ich das gemacht habe. Du bist bereits hier.“ Sie wurden in oder nahe der Erleuchtung geboren und haben offensichtlich keine Rückerinnerung an all die Anstrengungen, die sie in früheren Leben auf sich genommen haben, um diese Situation herbeizuführen. Wenn wir nichts tun, werden wir die Erleuchtung schließlich in Zig-Millionen Jahren erreichen. Tun wir etwas dafür, tritt das sehr viel früher ein. Es gibt bestimmte bekannte und bewährte Methoden, mit denen man den Erleuchtungsprozess vorantreiben kann. Das ist genau das, was Yoga ist.

Jeder wählt seinen eigenen Weg – etwas zu tun oder nichts zu tun. Auch ein Weg, bewusst nichts zu tun (oder „achtsam bzw. bewusst zu sein“) ist ein Tun. Wenn man es genau betrachtet, ist auch die Meditation, mit der wir uns hier beschäftigen, ein Nichtstun. Wir setzen nur eine Bedingung für unseren Verstand und der Geist leistet den ganzen Rest. Er geht in die Stille. Wir tun überhaupt nichts. Das Nervensystem macht alles, sobald wir die Anfangsbedingungen gesetzt haben. So stimme ich also im technischen Sinne mit dir überein, dass Nichtstun der Weg ist. Aber das Nichtstun effektiv zu tun, ist eine Kunst. Genau das ist die Kunst der Meditation. All die anderen fortgeschrittenen Yoga-Übungen sind ebenfalls jede eine Kunst des Nichtstuns. Wir setzen die Anfangsbedingung und das Nervensystem übernimmt das Kommando. Wir brauchen überhaupt nichts zu tun, sobald die natürlichen Fähigkeiten des Nervensystems ans Ruder gelangen. Yoga ist die Kunst, das Nervensystem mit bestimmten Mitteln anzustoßen und dann nichts zu tun.

Ramakrishna sagte, dass Yogis wie Brunnengräber sind und dass es drei Arten davon gibt. Die erste Art findet die Werkzeuge, gräbt den Brunnen (der Erleuchtung), springt hinein und nimmt die Werkzeuge mit sich. Niemand weiß, wie ihnen das gelungen ist. Die zweite Art von Yogis findet die Werkzeuge, gräbt den Brunnen und springt hinein. Aber diese Kerle lassen die Werkzeuge zurück. Sie liegen auf dem Boden herum und andere können sie finden. Die dritte Art von Yogis findet die Werkzeuge, gräbt den Brunnen und treibt sich dann noch eine Weile herum und zeigt jedem, der vorbeikommt, die Werkzeuge und wie man sie anwendet.

Vielleicht gibt es noch eine vierte Art von Yogis – diejenigen, die erleuchtet geboren wurden und keine Rückerinnerung an die Werkzeuge haben, die sie in früheren Leben benutzten. Sie erzählen jedem: „Du brauchst gar keine Werkzeuge. Sei nur ganz einfach erleuchtet. Es ist einfach. Siehst du nicht? Hier ist der Brunnen. Sei nur bewusst und du wirst sehen, dass du dich bereits in ihm befindest.“ So ungefähr, wer weiß? Eins ist aber sicher. Yogis wie Krishnamurti inspirieren zwar. Doch den meisten Menschen können sie keine praktische Hilfe bieten. Vielleicht können ein paar hoch entwickelte Seelen von ihnen profitieren. Das ist aber ein ziemlich exklusiver Club. Der Rest von uns braucht einen umfassenderen Ansatz – Yoga! Wir müssen etwas tun, um nichts tun zu können.

Der Guru ist in dir.