Frage: Ich denke, ich bin während der Meditation eingeschlafen, obwohl ich nicht glaube, dass ich mein Bewusstsein verloren habe. Es schien, als wäre ich wach gewesen, aber ich hatte keine Wahrnehmung von Zeit oder von sonst irgendetwas. Dann bemerkte ich, dass mein Kopf auf meine Brust gesunken war und sah auf die Uhr - dreißig Minuten waren vergangen. Ich fühlte mich ziemlich taumelig und wackelig und nicht danach, gleich aufzustehen, also legte ich mich eine Weile auf den Rücken. Danach war ich okay. Habe ich geschlafen?

Antwort: Keine Sinneswahrnehmung, kein Mantra, keine Gedanken und trotzdem innerlich bewusst – hast du geschlafen? Wahrscheinlich nicht. Meditation erzeugt manchmal einen schlafähnlichen Zustand, so wie du ihn beschrieben hast, einzig die physiologischen Parameter sind nicht dieselben. Der Stoffwechselprozess ist viel stärker als im Schlaf herabgesetzt. Herzschlag und der Atem gehen viel langsamer als im Schlaf, haben fast aufgehört. Körper und Verstand erreichen einen Zustand völliger Stille, während man dennoch innerlich wach bleibt. Die Erholung von Körper und Geist geht während der Meditation tiefer als im Schlaf. Es ist eine andere Form der Erholung, eine, die Verunreinigungen, d.h. Blockaden zum Bewusstsein, entfernt, die der Schlaf nicht erreichen kann. Meditation ist jedoch kein Ersatz für den Schlaf, der wiederum seine eigenen Dynamiken im täglichen Verjüngungskreislauf besitzt.

Menschen, die bereits seit Jahren meditieren, mögen aufgrund der angesammelten Reinheit in ihren Nervensystemen weniger Schlaf benötigen. Es ist allerdings nicht so, dass die Meditation den Schlaf ersetzt. Vielmehr wurden Körper und Verstand mit der Zeit und Schritt für Schritt gereinigt und bedürfen deshalb weniger der Reinigung im täglichen Schlafzyklus. Es ist dies die Reinigung, die aus langjähriger Meditationspraxis und anderen fortgeschrittenen Yoga-Übungen resultiert, wodurch sich der Schlafbedarf generell vermindert. Mit der Zeit wird man dann sogar vierundzwanzig Stunden am Tag bewusst sein können. Dann werden unser tägliches Tätigsein, das Träumen und der Tiefschlaf wie Kinofilme auf dem Bildschirm unserer stillen, glückseligen Bewusstheit spielen. In diesem Stadium schlafen wir nie mehr. Das ist die Art von Freiheit und Glück, die wir alle auf natürliche Weise in der Lage sind zu erlangen. Das ist unser unveräußerliches Geburtsrecht.

Du hast recht daran getan, dich nach deiner Sitzung hinzulegen und mit dem Aufstehen zu warten, bis du dich wieder klar und ausgeglichen gefühlt hast. Das ist ein weiterer Fall, bei dem es angesagt ist, nach der Meditation zusätzlich zu rasten. Eine Menge an Reinigung ging während der Meditation vor sich. Viele verschiedene Erfahrungen können dabei auftreten, angefangen vom Erhabenen bis hin zum Lächerlichen. Das ist alles Teil des einen Prozesses, in dem wir locker das Mantra denken und ihm gestatten, sich in uns einzuleben. Dann geschieht die Reinigung. Wir lassen sie geschehen. Dann, wenn wir gewahr werden, kehren wir wieder zum Mantra zurück und lassen den Verstand wieder lenken. Dieser Vorgang wird, wenn er regelmäßig zweimal täglich für zwanzig Minuten durchgeführt wird, allmählich dein Leben in Glückseligkeit verwandeln.

Vergiss nicht, jede Erfahrung, die während der Abwesenheit des Mantras eintritt, zu deiner Meditation zu zählen. Es ist okay, dass du dir erst nach dreißig Minuten wieder der Zeit bewusst wurdest. Es war etwas ganz Natürliches während deiner Meditation. Wann immer etwas Derartiges geschieht und du dadurch über deine geplante Zeit hinaus sitzt, sorge dafür, dass du die entsprechende Zeit der Nachruhe für dich findest. Wenn du deine Meditation ausgeglichen hältst, indem du dir eine angemessene Zeit der Erholung danach gönnst, wirst du immer mit dem Gefühl der Frische und bereit für Aktivitäten aufstehen.

Der Guru ist in Dir.