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Frage: Meditieren ist sehr entspannend und ich will damit weitermachen. Allerdings ist es sehr schwierig für mich, zweimal am Tag Zeit dafür zu finden. Ich reise viel, habe Frau und Kinder und liebe es, die Zeit mit ihnen zu verbringen, wenn ich zu Hause bin. Für Meditation hab ich nur wenig Zeit. Welchen Rat kannst du mir da geben?

Antwort: Wir, die wir Familie haben, Verantwortung tragen und viel beschäftigt sind, ziehen einen Vorteil aus der Nutzung der Meditation - vorausgesetzt, wir finden die Zeit dazu. Der Grund dafür ist, dass die Entwicklung zur Erleuchtung von einer maßvollen Wechselbeziehung zwischen Bewusstsein und weltlichem Leben abhängt. Wie soll die wahre Natur der Welt erkannt werden können, wenn wir nicht in ihr aktiv sind und die glückselige Stille, die wir in der Meditation erfahren, in unseren täglichen Handlungen festigen?

Der Trick ist, dass wir uns die Zeit für unsere zwei täglichen Meditationen selbst schaffen und im Gegenzug dafür die damit einher gehenden positiven Auswirkungen erhalten. Diese Aufgabe „Zeit zu schaffen" ist ein Test für unseren Wunsch, ein Test, ob wir den in uns liegenden Potentialen auch genügend hingegeben sind. Das ist eine Prüfung, der wir uns alle täglich zu stellen haben – die Dinge zu tun, die wir tun wollen, die aber ein wenig Selbstdisziplin erfordern. Mal ehrlich, es geht doch gar nicht um die Frage, wie viel oder wenig Zeit uns zur Verfügung steht. Es geht doch darum zu entscheiden, was für uns wichtig ist und dann so zu handeln, wie es notwendig ist.

Niemand kann dir sagen, was für dich das Wichtigste ist. Nur du kannst das wissen. Es liegt völlig in deiner Hand und ist einzig deine Entscheidung. Doch du hast eine innere Stimme. Das weißt du doch, oder? Irgendetwas in dir ruft dir zu, mehr zu erfahren, immer mehr. Der Same möchte zu einem starken Baum mit wunderschönen, in alle Richtungen hinausblühenden, duftenden Blüten heranwachsen. Er muss! Wir werden alle von diesem evolutionären Strom in uns angetrieben. Was immer anderes sich in unserem Leben abspielt, dieser Strom wird immer da sein. Es geht da nicht nur um uns, sondern um alle, um die ganze Menschheit. Wir verrichten einen großen Dienst an allen, wenn wir uns entschließen, diesen Strom zu kultivieren, indem wir zuerst dem in uns aufsteigenden Wunsch Raum geben, sich zu entfalten und dann in weiterer Folge Übungen machen, die den Frieden und die Glückseligkeit auf natürliche Weise aus unserem Inneren hervorbringen.

Wenn du dich einmal dazu entschlossen hast, regelmäßig zu meditieren, dann geht es eigentlich nur noch darum, das praktisch umzusetzen. Wie kann ich mir die Zeit dazu nehmen? Das ist eigentlich eine ziemlich banale Angelegenheit. Wie finden wir die Zeit, uns die Zähne zu putzen, zu baden, uns richtig zu ernähren, das Geschirr zu waschen, unsere Rechnungen zu bezahlen und den Müll rauszutragen? Das sind alles Dinge, die wir tun, weil wir wissen, dass sie getan werden müssen. Wir tun sie, denn wir wissen, dass, wenn wir sie nicht tun, unser Leben zu einem Durcheinander, zu einem Chaos wird und wir uns mies fühlen würden. Wir könnten wohl eine Zeit lang ohne all diese Verrichtungen zurechtkommen, aber schlussendlich würde uns das dann doch einholen. Menschen, die über eine längere Zeit regelmäßig meditieren, entwickeln eine ähnliche Einstellung zur Meditation. Sie wissen, sie müssen sich darum kümmern oder die gewünschten Ergebnisse werden sich nicht einstellen und holen aus dem Leben nicht das heraus, was wir herausholen könnten. Sie ziehen bezüglich der Meditation dieselben Folgerungen wie bezüglich dem Zähneputzen, Duschen oder Müllentsorgen. Sie machen also Meditation einfach zu einer Gewohnheit.

Und die außerordentlichen Umstände, die immer wieder einmal auftreten und es uns unmöglich machen, unsere normale Meditation durchzuführen? Du sitzt um fünf Uhr nachmittags im Flugzeug und hast noch eine Stunde Flugzeit, bevor du nach Hause kommst. – Kein Problem, meditiere im Flugzeug. Was ist mit den Geräuschen, den Turbulenzen, was mit den Schräglagen des Flugzeugs? – Auch kein Problem. In der Meditation gehen wir mit all dem genauso um wie bereits mit den anderen, uns geläufigeren Ablenkungen vom Mantra. Kehre ganz leicht und locker zum Mantra zurück, wenn du bemerkst, dass du davon weggekommen bist, zu Gedanken, Geräuschen, Bewegungen des Körpers oder der Umgebung, was auch immer. Es ist nicht schwierig, in Flugzeugen, Eisenbahnen, Autos (natürlich nicht als Fahrer!) oder Warteräumen zu meditieren, also eigentlich überall dort, wo es für einige Zeit nicht notwendig ist mit anderen zu interagieren. Natürlich ist es das Beste, an deinem gewohnten Platz zu Hause zu meditieren. Doch wenn das zur üblichen Zeit aus irgendeinem Grund nicht geht, nutze jede Gelegenheit, die sich bietet.

Wenn es unmöglich ist, zur gewohnten Zeit zu meditieren, nimm dir vor, die Meditation zu einer anderen Zeit dieses Tages, früher oder später, zu halten. Mach es dir nicht zur Gewohnheit, unmittelbar vor dem Schlafengehen zu meditieren, obwohl das besser ist, als gar nicht zu meditieren. Es ist jedoch viel besser, nach der Meditation aktiv zu werden. Der Reinigungsprozess und die Einbindung des Bewusstseins in das Nervensystem werden am ehesten während dem Aktivsein umgesetzt, nicht während des Schlafes. In der Tat kann dich die Meditation unmittelbar vor dem Schlafengehen noch eine Weile wach halten. Probiere es einige Zeit und sieh selbst, was geschieht.

Angenommen, du kommst von der Arbeit heim und erfährst, dass du bereits eine halbe Stunde später zu einem Abendessen mit Freunden wieder fortgehen musst. Jetzt wäre doch die Zeit für Meditation und normalerweise würdest du dir mehr Zeit lassen, bevor du dich mit deinen Freunden triffst. Doch in diesem Fall ist das nicht mehr möglich. Was tun? Setz dich hin und meditiere für fünf, zehn oder fünfzehn Minuten, gerade so viel, wie es dir in dieser Situation möglich ist. Nimm dir diese Zeit und nütze sie dann so gut es geht, genehmige dir noch die entsprechende Nachruhezeit und mach dich dann pünktlich zu deiner Verabredung auf. Es gibt hunderte Möglichkeiten, eine Meditation einzuschieben, wenn du nur willst. Mach dieses Einschieben aber nicht zu einer täglichen Gewohnheit. Wenn du vorausplanst, wirst du deine gewohnten Meditationen zu neunundneunzig Prozent regulär ausführen können. Wenn sich dann etwas Unvorhergesehenes ereignet, kannst du trotzdem einige Male in dein reines Glücksbewusstsein eintauchen. Das hilft dir, deine Meditationsgewohnheiten weiter zu kultivieren und verschafft dir eine Welle von Frieden und Glückseligkeit. Jedes kleine Stück Meditation ist ein großer Schritt vorwärts.

Dein Erfolg hängt von deinem Willen ab und davon, dass du jeden Tag dein Bestes gibst, diesen Willen durchzusetzen. Wenn du das tust, wird es mit Sicherheit dein gesamtes, auch dein aktives Leben bereichern. Meditation ist eines der besten Dinge, die du für deine Familie tun kannst. Auf lange Sicht wird ein unsichtbarer Zauber in ihrer aller Leben wirken und die äußeren Resultate werden das deutlich zeigen.

Der Guru ist in Dir.