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Frage: Ich ringe damit, all die einzelnen Elemente der Wirbelsäulenatmung auf die Reihe zu bringen. Aber es kommt bisher noch nicht so viel dabei heraus. Das scheint mir im Widerspruch zu der Aussage zu stehen, die du wiederholt gemacht hast, wie „natürlich“ diese Übungen alle sein sollen. Das ist sicherlich etwas anderes als Meditieren, was ich als sehr leicht und vergnüglich empfinde. Soll Pranayama ebenfalls einfach und vergnüglich sein?

Antwort: Ja, Pranayama wird einfach sein – und vergnüglich ist eine Untertreibung. Ekstatisch ist eine bessere Beschreibung dessen, was aus dem Pranayama wird. Es kann allerdings einige Zeit dauern, bis man das alles stimmig hinbekommt. Lass dir Zeit, allmählich dort hinzugelangen. Gib dem Ganzen in deiner regulären Praxis eine faire Chance und du wirst es nicht bereuen. Hilfe wird auch aus neuen Elementen der Übung erwachsen, die die Ausführung von Pranayama sehr viel angenehmer machen werden. Du wirst lernen, wie du alles von innen her erleuchten kannst. Aber die Grundlagen müssen zuerst erarbeitet werden. Bemühe dich also darum, die Grundelemente der Übung gut auszuführen. Mit der Zeit wird das immer einfacher und viel vergnüglicher. Meditation ist für die meisten Menschen von Anfang an einfach und angenehm. Bei Pranayama könnte das etwas länger dauern.

Ist Pranayama etwas Natürliches? Es besteht kein Zweifel darüber, dass Pranayama mit all ihren ergänzenden Elementen eine komplexe Übung ist. Deshalb ist es möglich, dass sie sich zu Beginn als unnatürlich anfühlt. Aber genauso wie die Meditation knüpft Pranayama an eine natürliche Fähigkeit in uns an. Im Fall der Meditation ist das die natürliche Fähigkeit des Verstandes, still zu werden und reines Glückseligkeitsbewusstsein zu erfahren. Man muss nur die geeigneten Bedingungen in der Meditation herstellen und der Verstand wird von ganz alleine ruhig. Im Fall des Pranayama zapfen wir die natürliche Fähigkeit des Nervensystems an, sich zu verfeinern und aus dem Inneren heraus ekstatisch zu strahlen. Sich etwas Neues anzugewöhnen erfordert natürlicherweise einige Anstrengungen. Wenn wir jedoch einmal die nötigen Schritte auf dem Weg des Pranayama gemacht haben, stellt sich das, was für eine ekstatische Ausstrahlung nötig ist, auf ganz natürliche Weise ein. Ist das erst einmal in Bewegung gesetzt, geschieht der Rest automatisch. Dann wirst du auch ohne den leisesten Zweifel wissen, dass dein Körper dazu entworfen wurde, die göttliche Verzückung aufrechterhalten zu können – und das ist eine ziemliche Offenbarung. Genauso wie stilles inneres Glückseligkeitsbewusstsein unser natürlicher Zustand ist, der durch die Meditation zu Tage befördert wird, ist auch ekstatische Ausstrahlung unser natürlicher Zustand, der durch Pranayama offenbart wird. Einmal durch Pranayama angeregt, vertieft die ekstatische Ausstrahlung die Meditation. Pranayama veredelt den Boden unseres Nervensystems soweit, dass die Meditation in die Lage versetzt wird, ein dynamisches Hervorquellen reinen Glückseligkeitsbewusstseins zu erzeugen. Pranayama erlaubt dem stillen Samen, den wir in der Meditation erwecken, in eine verzückte Ausstrahlung zu erwachsen, und das fließt dann reichlich über und ein in unser tägliches Leben.

Das Ziel hier ist es, die Fortgeschrittenen Yoga Übungen so zusammenzustellen, dass sie so einfach wie möglich und auch angenehm und vergnüglich sind. Andernfalls würden sich auch nicht viele damit abquälen wollen. Manchmal braucht es etwas geduldige Beharrlichkeit während der Gewöhnungsphase an diese Übungen. Wenn du aber geduldig daran festhältst, täglich zu meditieren, vertiefen sich deine Erfahrungen mehr und mehr. Der Tag wird dann kommen, da du dich beeilst, zu deinem Meditationsplatz zu gelangen, weil die dort aufkommende Ekstase so groß ist. Dann, noch bevor du es wirklich verstehst, wird die Ekstase alles erfüllen. Die gesamte Welt wird sich vor deinen liebenden Augen verwandeln.

Der Guru ist in dir.