Website-Icon Fortgeschrittene Yoga Übungen – Leichte Lektionen für ein ekstatisches Leben

Lektion 344 – Das Transzendieren von Karma, um es für sich nutzbar zu machen

Obwohl es einerseits nicht möglich ist, alle Konsequenzen von Karma zu überblicken, ist es andererseits weitgehend möglich, alle Auswirkungen von Karma durch unsere Haltung und Handlungen zu beeinflussen.

Die allgemeine Sorge um Sünde und Schuld (vgl. Lektion 132) ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr wir bei unseren Einstellungen in die Irre gehen (oder geführt werden) können. So muss es jedoch nicht sein. Es besteht eine Wahlfreiheit, wie wir die Welt betrachten und was wir in unserem Leben jeden Tag tun. Die Handlungen, auf die wir uns einlassen, haben kurzfristige und langfristige Auswirkungen. Die ernsthafte Kultivierung von Bhakti (spiritueller Wunsch) und das Praktizieren von täglichen spirituellen Übungen haben die Kraft, unsere Beziehung zum Karma so zu verändern, dass sie den Charakter von ständiger Freude und Fortschritt annimmt.

Unsere täglich getroffenen Entscheidungen sind meist durch viele Einflüsse auf unser Leben (unergründliches Karma!) und tief in uns sitzende Lebensgewohnheiten eingefärbt, so dass wir uns vielleicht die Frage stellen, ob unser freier Wille eine Illusion ist. Haben wir wirklich eine Wahlfreiheit bezüglich der Dinge, die wir tun? Haben wir Zeit und Anstrengung aufgewandt, ein höheres Ideal in unserem Leben zu stärken, dann wird für uns eine Wahlfreiheit existieren. Unser Ideal, unser Ishta ist unsere Wahlfreiheit (vgl. Lektion 339). Von dort fließt alles andere aus. Dies ist die vitale Verbindung zwischen Bhakti und den von uns vorgenommenen Handlungen. Dadurch wird unsere Beziehung zum karmischen Mechanismus von Ursache und Wirkung, der ständig in unserem Leben am Werke ist, bestimmt.

Ob unser gewähltes Ideal mehr einem Gott oder der Wahrheit entspricht, zu welcher Form wir auch immer hingezogen sein mögen, die Wirkung wird immer die gleiche sein. Ideale wie diese greifen über begrenzende Aspekte von Karma hinaus. Haben wir ein hohes Ideal, ist dies der sichere Weg, wie man über alle Begrenzungen hinausgehen kann, die uns das Leben auferlegt. Hingabe an ein hohes Ideal ist der Weg, auf dem wir Karma transzendieren können, auch wenn wir uns nur die zugrundeliegenden Prinzipien zu Nutze machen.

Es gibt einen freien Willen. Eine wirkungsvolle Anwendung dieses freien Willens erfordert jedoch etwas Gewandtheit. Inspiriert uns unser gewähltes Ideal, Entscheidungen zu treffen, die uns unangreifbar machen von den Einflüssen, die uns vom Weg abbringen, dann kommen wir voran. Die Entwicklung von Bhakti, die auf unser gewähltes Ideal gerichtet ist, ist der erste Schritt. Daraus ergeben sich Gelegenheiten, bei denen wir auf eine Art und Weise handeln, dass der Fortschritt unserer spirituellen Entwicklung gefördert wird. Beim FYÜ-Ansatz nutzen wir ein integriertes System von Übungen, bei dem die tiefe Meditation an erster Stelle steht. Sobald wir einmal den Willen gefunden haben, unser spirituelles Verlangen zum Anlass von Handlungen zu nehmen, markiert der Entschluss, täglich tief zu meditieren, den entscheidenden Schritt.

Mit der tiefen Meditation kultivieren wir die natürliche Gegenwart von innerer Stille in unserem Inneren, eine bleibende Stille, die all unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen durchdringt. Diese uns innewohnende Stille, die man auch mit dem Ausdruck reines Glückseligkeitsbewusstsein umschreibt, existiert jenseits der Höhen und Tiefen des Lebens. Das Leben geht weiter wie zuvor, doch Stille residiert in uns als stiller Zeuge, den wir als unser transzendentes SELBST erkennen. Je mehr wir uns bewusst sind, dass unser SELBST von den vielen Einflüssen des Lebens unbeeinflussbar ist, hat dies eine tief greifende Wirkung auf die Art und Weise, wie wir Ereignisse betrachten. Wir betrachten das Leben so, als erscheine es als Veränderung auf dem Ozean unserer Stille. Selbst katastrophale Ereignisse sind dann nicht mehr in der Lage, uns in den tiefsten Reichen unserer Selbst-Bewusstheit zu berühren.

Dies ist mit dem Transzendieren von Karma gemeint. Es ist keine Beseitigung von Karma. Karma wird weitergehen, doch unsere Beziehung zu ihm verändert sich und genauso verändert sich seine Rolle in unserem Leben.

Haben wir einmal mit der täglichen tiefen Meditation begonnen, sind wir auf der Straße, die uns Herr über unser Karma werden lässt, so dass wir nicht länger sein Diener sind. Das Handeln aus der Perspektive der inneren Stille ermöglicht es uns, durch unsere Handlungen die Einflüsse vom Karma auf Wegen zu transformieren, die entwicklungsgemäß und freudig befreiend sind, anstatt dunkel begrenzend. Für jemanden, der in die Fülle von sich ausdehnender inneren Stille erwacht, werden die Mechanismen des Karmas zu einem Vehikel für die spirituelle Entwicklung. Auf die gleiche Weise liefert die Ausdehnung der inneren Stille infolge von täglicher tiefer Meditation eine ständige Ausdehnung von Bhakti (spirituelles Verlangen). Dies ist ein Kreislauf von Wunsch/Verlangen, Handlung und den Folgen daraus, was zu einem Leben von sich ewig ausdehnendem Frieden, Kreativität und freudevollem Dienst führt.

Diese Verwandlung ereignet sich schrittweise und wird nur im Laufe von Jahren mit täglicher tiefer Meditation, zunehmendem Bhakti und dem normalen Verlauf unserer Lebensaktivitäten sichtbar. Stetig erheben sich unsere Handlungen des täglichen Lebens auf eine Ebene der göttlichen Beziehung. Obwohl wir zuvor vielleicht ziemlich viel Energie für den Versuch aufwendeten, die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen oder sie zu verändern, verbringen wir nun unsere Zeit in der Gegenwart. Wir erfreuen uns an dem, was ist, und verhalten uns auf eine Weise, die unmittelbar erfüllend ist und die Samen für eine bessere Zukunft legt. Sowohl seine Vergangenheit wie seine Zukunft kann jeder verbessern, wenn er nur immer mehr im Hier und Jetzt lebt.

Wir erreichen dies nicht, indem wir uns anstrengen. Auf diese Weise kann man das nicht erreichen. Man kann mit dem Willen keine unmittelbare Veränderung der Lebensqualität herbeiführen, denn das Leben, das wir leben, hat seine Struktur in uns im Laufe einer langen Zeit erhalten. Doch mit der Kraft von Bhakti und Yoga-Übungen können wir die Strukturen in uns allmählich entflechten. Indem wir dies tun, können wir unsere Beziehung zum Karma transformieren. Karma wird dadurch nicht eliminiert, es wird transformiert. Es gibt da die Vorstellung, Karma könne man auslöschen, so dass es verschwindet. So ist das nicht. So lange es Handlungen gibt, solange wird es auch zu Auswirkungen kommen. Das ist der Prozess von Karma. Doch wir können den Einfluss von Karma so umformen, dass er göttlich ist und uns erhebt – dies gilt genauso für so genanntes negatives Karma wie für so genanntes positives Karma. Die Tatsache, dass Auswirkungen vergangener Handlungen uns einholen, bedeutet nicht, dass damit irgendeine bestimmte Färbung verbunden ist. Wir in der Gegenwart sind für die Färbung verantwortlich. Alles Karma kann man als entweder gut oder schlecht ansehen. Wächst unsere innere Stille und wird sie reifer, wird alles Karma zu einem positiven Sprungbrett zu neuen Öffnungen im Geist.

Dies ist keine passive Erfahrung. Hierdurch werden nicht alle Wünsche abgetötet. Es ist eine Transformation von Wünschen hin zu einem göttlichen Zweck. Dann können wir feststellen, dass unser nie stillbares Suchen schon immer der Guru in uns gewesen ist, der uns stetig weiter vorwärts trägt in die Erfüllung. Dann werden alle Ereignisse zu Chancen.

Die Verschmelzung von Bhakti, spirituellen Übungen wie der tiefen Meditation und unseren Handlungen im normalen Leben führt zu einer Harmonisierung von Einflüssen (die in der Vergangenheit ihren Ursprung haben) und zur Erfüllung von Öffnungen in der Zukunft. Dies geschieht alles im Hier und Jetzt. Obwohl schon immer gefordert wurde: Sei im Hier und Jetzt, kann man dies erweitern zu der Forderung: »Sei und handle im Hier und Jetzt.«

Unsere aufrichtige Selbstverpflichtung und aktive Hingabe an unser gewähltes Ideal im täglichen Leben ist das, was den Unterschied ausmacht. Haben wir einmal unsere bleibende innere Stille erkannt, können wir vom Karma guten Gebrauch machen, was immer es uns im Leben beschert.

Der Guru ist in dir.

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