Es gehört heute schon zum Allgemeinwissen, dass es gut ist, einem Freund, der sich aufregt, der wirklich aufgebracht ist, zu sagen, er solle bewusst eine Zeit lang tief aus und einatmen. Das hat immer eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem, auf das Denken und die Emotionen.

Warum? Weil es die Nerven lockert. Anspannung schnürt unsere Nerven ein und das behindert den Fluss von Bewusstsein durch uns. Langsames und tiefes Atmen lockert die Nerven, erleichtert den Fluss von Bewusstsein durch uns, und das hat den gewünschten Effekt von Entspannung.

Zu sagen, dass das Bewusstsein durch uns fließt, ist ein etwas vereinfachtes Bild. Obwohl in Wahrheit alles ein Fluss von Bewusstsein ist, wird der Sachverhalt besser mit den Worten beschrieben: „Lebenskraft“ fließt durch uns. Was ist die Lebenskraft? Es ist die erste Manifestation von Bewusstsein in der Materie. Es wird „Prana“ genannt, was so viel wie „erste Einheit“ bedeutet. Die winzigen subatomaren Energiestrings in der String- Theorie der modernen Physik, von denen man glaubt, dass sie die Bausteine von allem Existierenden im Universum sind, könnten gut mit Prana gleich zu setzen sein. Auf jeden Fall wissen wir, dass die Beeinflussung von Prana (Lebenskraft) in unserem menschlichen Körper signifikante Auswirkungen auf unser Nervensystem und unsere Erfahrungen hat.

Meditation ist ein Weg, Prana mit Hilfe des Verstandes zu beeinflussen. Der menschliche Verstand entsteht aus dem Fließen von Energie durch die Nerven unseres Gehirns. In der Meditation erlauben wir dieser Energie (Prana) mit Hilfe systematischer Methoden still zu werden. Dadurch kommen wir der zu Grunde liegenden Ursache für diese Energie näher. Wir erfahren das als reines, stilles Glückseligkeitsbewusstsein. In der Meditation ist es leicht, die Aufmerksamkeit über den Verstand und über das Prana hinaus zu erheben. Das ist eine außerordentliche, aber natürliche Fähigkeit, die wir besitzen.

Neben der Meditation gibt es noch andere Wege, das Prana so zu beeinflussen, dass die Reinigung des Nervensystems die Vereinigung unserer inneren und äußeren Natur ermöglicht. Wie erwähnt, kann die Lenkung unseres Atems einen spürbaren Effekt darauf haben, wie wir etwas erfahren. Indem wir den Atem auf besondere Weise zügeln und lenken, können wir bestimmte vorhersagbare Effekte erzielen. Das ist die Wissenschaft von „Pranayama“, was so viel wie „Beherrschung des Atems“ heißt. Wenn wir beschreiben, was wir äußerlich tun, können wir sagen, es ist eine Kontrolle des Atems. Aber zu Pranayama gehört mehr als eine physische Kontrolle des Atems. Weitere Methoden, welche die Auswirkungen des Atems vertiefen und erweitern, werden wir zur Anwendung bringen. Der Verstand ist mit einbezogen und auch der Körper, aber auf andere Weise als nur durch die Kontrolle des Atems. Zusammengenommen lösen und kultivieren diese Übungen das Nervensystem auf Wegen, die die Auswirkungen unserer Kernübung, der Meditation, stark erweitern.

Denke an dein Nervensystem als den Boden und an das reine Glückseligkeitsbewusstsein als den Samen. Wir haben den stillen Samen durch unsere regelmäßigen täglichen Meditationen erweckt. Nun wollen wir den Boden unseres Nervensystems bearbeiten, so dass die Samen reinen Glückseligkeitsbewusstseins darin wachsen können, bis sie in uns energiegeladen und kräftig sind.

Wie beeinflusst der Atem den Pranafluss im Körper? In unserem Körper besteht eine elektromagnetische Beziehung zwischen dem Atem, dem Verstand, dem Pranafluss und jedem Aspekt unseres biologischen Funktionierens. All diese Elemente sind miteinander verknüpft. Deshalb wird, wenn wir meditieren, der Atem automatisch gebändigt, und der gesamte Stoffwechsel verlangsamt sich. Während des Pranayama, wenn wir den Atem bewusst verlangsamen und ihn mit dem Geist einer bestimmten Bahn entlang führen, beeinflussen wir den Fluss des Prana. Es ist eine Art von Induktion – vergleichbar mit der Induzierung eines elektrischen Stromes in einem Draht mit einen Magneten. Wenn wir so den Atem im Zusammenspiel mit unserem Geist benutzen, sind wir in der Lage, trennscharf einen besonderen Kanal unseres Nervensystems, der eine führende Rolle in der Anhebung des Erleuchtungsniveaus spielt, zu reinigen. Dieser Kanal ist der winzige fadenähnliche Nerv, der im Innern des Rückgrats nach oben und durch das Gehirn läuft. Er wird „Sushumna“ genannt. Die Öffnung und Reinigung dieses Nervs ist es, worum es im Pranayama und anderen fortgeschrittenen Yoga-Übungen geht.

Wir beginnen nun mit einer Atemtechnik, die unmittelbar vor jeder Meditationssitzung ausgeführt werden sollte. Sobald wir uns damit wohl fühlen, wollen wir, Schritt für Schritt, neue Elemente hinzufügen, was die Wirkung unserer Übungen noch stark erweitert.

Der Guru ist in dir.