Frage: Hat das Ausüben von Pranayama konkrete positive Auswirkungen auf die Gesundheit? Es scheint so, als sei dies der Fall.

Antwort: Ja. Genauso wie die Meditation unterstützt auch Pranayama die Reinigung des Nervensystems. Da es sich um einen physischen Prozess handelt, hat das auch unmittelbare Auswirkungen auf den Körper, die wir leicht wahrnehmen können, sobald wir mit unseren Übungen Fortschritte machen. Es hat positive Auswirkungen auf die Lungen, das Gehirn, das Verdauungssystem, das Herz und die Zeugungsorgane, um nur einige wenige zu nennen. Auch der Geist und die Gefühlswelt werden stabilisiert. Wenn mehr und mehr Prana in den Körper fließt, strahlt eine glänzende, spürbare Energie von der Haut aus und erzeugt eine „Aura“ von Gesundheit und Kraft, die auch auf andere wohltuend wirken kann.

Aber all das kommt nicht über Nacht oder von unregelmäßigen Pranayama-Übungen. Es kommt auch nicht von Intensivphasen, wo man Tage und Wochen nicht übt und dann impulsiv und übermäßig Pranayama praktiziert, um zu versuchen, mit einem Satz einen großen Schritt nach vorne zu machen. So funktioniert das nicht. In dieser Beziehung ist Pranayama gerade so wie jede andere körperliche Ertüchtigung. Ein wenig Übung zweimal am Tag ist viel wertvoller als eine Menge an Übung in einem Abstand von Tagen und Wochen. Letzteres kann überhaupt nicht Körperertüchtigung genannt werden und ist unter Umständen gefährlich für die Gesundheit.

Wenn du dich dazu entschließt, ein Langstreckenläufer zu werden, würdest du es so angehen, dass du dich einmal die Woche oder wann immer du Lust dazu hast, damit beschäftigst, um dann aus dem Stand heraus gleich fünf oder zehn Meilen zu laufen? Würdest du so verfahren, wäre deine Läuferkarriere wohl nur von kurzer Dauer. Die besten Erfolgschancen hättest du, würdest du mit kurzen Distanzen beginnend täglich laufen, um dich langsam, über einen Zeitraum von mehreren Monaten zu deiner Zieldistanz hochzuarbeiten. Fortschritte in sportlichen Disziplinen erfordern regelmäßiges, maßvolles Üben. So trainieren wirkliche Athleten.

Spirituelles Üben ist in dem Sinne vergleichbar mit Leichtathletik, weil wir auch langsam unseren Körper und unser Nervensystem dahin trainieren, ein sehr viel größeres Maß an reinem Glückseligkeitsbewusstsein durchleiten und ausstrahlen zu können. Das ist ein großes Unterfangen, das nur durch viele kleine, tägliche Schritte über einen langen Zeitraum erreicht werden kann. Der Nutzen aus dieser Vorgehensweise ist kumulativ und spürbar entlang des Weges. Die Fortgeschrittenen Yoga-Übungen fördern die Reinigung und Ausgeglichenheit tief im Nervensystem und einige der Ergebnisse sind auch fast unmittelbar nach Aufnahme der Übung spürbar. Einer der leicht erkennbaren Vorteile ist die Verbesserung der Gesundheit. Deshalb kann man sagen: Ja, Pranayama verstärkt den Trend zu guter Gesundheit, den wir bereits mit dem Beginn der Meditation eingeleitet haben.

Es sei jedoch betont, dass Pranayama keine Wunderkur ist, welche die Folgen jahrelangen, ungesunden Lebens augenblicklich ausräumen wird. Tatsächlich mag es sogar unmöglich sein, gleich mit Pranayama zu beginnen, wenn eine unausgeglichene Lebensweise deine Gesundheit ernsthaft beeinträchtigt hat. Ein bestimmtes Gesundheitsniveau ist notwendig, besonders im Atmungssystem, damit man Pranayama ausüben kann. Wir sollten im Pranayama niemals über unsere physischen Fähigkeiten hinausgehen. Unser Übungsniveau sollte auf der Ebene unserer Fähigkeiten liegen. Sind wir schwach, sollte auch das Pranayama nur auf minimaler Stufe oder überhaupt nicht geübt werden. Sind wir gesund und stark, können wir mehr tun. Prüfe immer sorgfältig, bevor du dich daranmachst, mit einer Pranayama-Stufe zu beginnen. Meditation kann von fast jedem unabhängig vom Gesundheitszustand geübt werden, ohne dass dadurch der Körper zusätzlich belastet wird. Bei Pranayama ist das anders. Hier muss ein minimales Gesundheitsniveau vorhanden sein, damit es sicher und effektiv praktiziert werden kann. Bedenke das und passe immer deine Pranayama-Übung an deinen jeweiligen physischen Zustand an, so dass du deinen Körper nicht übermäßig belastest. Während z.B. Meditation bei einer Krankheit hilfreich sein kann, ist das bei Pranayama nicht der Fall, insbesondere falls die Krankheit das Atmungssystem betrifft. Wenn die Lungen schmerzen, dann strapaziere sie nicht. Wir würden auch nicht hinausgehen und einen Kilometer rennen, wenn wir krank wären.

Wenn du deinen guten, alten gesunden Menschenverstand mit in deine Pranayama-Übung einbringst, ziehst du mehr Nutzen daraus – eine verbesserte Gesundheit eingeschlossen.

Der Guru ist in dir.