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Frage: Ich hab nur eine Frage zu der Technik, die du ins Netz gestellt hast – eine mit den Fingern blockierte Ejakulation wird zu einer retrograden Ejakulation führen. Der Samen geht in die Blase; beim Urinieren stellt man fest, dass der Urin weißlich und trüb ist, weil er sich mit dem Samen vermischt hat. Geht der Samen also am Ende (wenn man uriniert) ohnehin verloren, sollte dann diese Technik sinnvollerweise am besten überhaupt nicht angewandt werden, außer als äußerstes Mittel?

Antwort: Danke, das ist eine sehr gute Frage. Die Antwort besteht aus mehreren Teilen, weil die Ausweitung der männlichen (wie auch der weiblichen) Sexualität nach oben ein Entwicklungsprozess ist, der verschiedene Funktionen auf verschiedenen Stufen des Weges aufweist.

Ja, du hast Recht. Anfangs geht während des Blockierens ein Großteil des Samens in die Blase, und das kann leicht während des Urinierens beobachtet werden, wie Du auch schreibst. Aber so ist es nur am Anfang, in einem frühen Stadium der Veränderung des sexuellen Funktionierens.

Gesellt sich das Blockieren zu Bhakti (Hunger nach dem Göttlichen), produziert das Blockieren einen Anreiz, auf das Vor-dem-Orgasmus-Bleiben hinzuarbeiten. Mit der Entwicklung dieser Dinge wird das Blockieren immer weniger benötigt – ähnlich wie mit Stützrädern. Im Laufe der Zeit geht das ganz natürlich zurück. Im Gegensatz zu Stützrädern, die wir wegwerfen, bleibt das Blockieren immer eine gute Option für den Notfall. Wir behalten es also weiter in unserer Instrumententasche, sobald wir es einmal erlernt und verfeinert haben.

Mit „verfeinert“ beziehe ich mich auf fortgeschrittenere Stufen des sexuellen Funktionierens, wo der meiste, wenn nicht der ganze Samen ohne Blockierung zurückgehalten wird, sogar während des genitalen Orgasmus. Blockieren wir dann in solch einer Situation, wird nicht so viel Samen in die Blase gelangen. Viel davon wird in den Samenblasen zurückbleiben und auf anderen Wegen durch den Körper nach oben gehen. Unser Ziel ist jedoch nicht, einen genitalen Orgasmus ohne Ejakulation zu haben. Dies ist äußerst schwer zu erreichen und ein Darauf-Hinarbeiten führt zu viel Samenverlust auf dem Weg. Unserer spirituellen Entwicklung hilft dies sowieso nichts. Lange vororgasmische Kultivierung leistet dies, und das ist es, was wir wollen. Wir wollen in sexuellen Beziehungen diese Himmelsleiter nach oben steigen und nicht danach trachten, möglichst viele Genitalorgasmen ohne Ejakulation zu haben.

Nun, hier ist der Clou. Einer der Wege, den der Samen von Natur aus nach oben in den Körper nimmt, geht durch die Blase. Das bedeutet nicht, dass wir das Blockieren absichtlich anwenden, um damit den Samen in unsere Blase zu bekommen. Das bringt uns nicht weiter, weil die Blase zuerst zu ihrer höheren spirituellen Funktionsweise aufsteigen muss. Wenn sie das stufenweise und im Laufe der Zeit tut, geht der Samen automatisch nach oben in die Blase, ohne eine Blockierung und sogar ohne absichtliche Kultivierung der sexuellen Energie. Siehst Du, wie verzwickt die biologische Verwandlung abläuft? Bei fortgeschrittenen Yogis steigt der Samen ständig durch deren Körper hoch, und das geschieht immer durch die Blase, obwohl nicht in den Mengen, wie Du es ansprichst und wie sie in den Anfangsstadien des Blockierens auftreten.

Glücklicherweise ist dies alles für uns nicht so verzwickt, weil wir uns während unserer Übungen dazu keine Gedanken machen müssen. Denn die Biologie verwandelt sich automatisch, wenn wir die fortgeschrittenen Yoga-Übungen ausführen – tantrischen Sex eingeschlossen, falls wir uns in einer sexuellen Beziehung befinden.

Das Blockieren gestaltet sich anfangs also ziemlich klobig (Du hast doch gehört, dass ich diese Charakterisierung schon vorher auch bei anderen Übungen so verwandt habe, nicht wahr?) und wird mit der Zeit feiner. Diese Verfeinerung geschieht auf zwei Gebieten: Erstens wird es immer weniger notwendig sein zu blockieren, wenn wir bei uns eine zunehmende Fähigkeit feststellen, vor dem Orgasmus zu bleiben. Zweitens: Falls wir dann wirklich blockieren, ist da mit der Zeit immer weniger zu blockieren, weil wir mehr Kontrolle über unsere Ejakulation haben, wenn sich unser sexuelles Funktionieren entfaltet.

Interessanterweise gibt es einen analogen Prozess, der sich in der Frau abspielt, obwohl dies bisher nicht annähernd so offensichtlich war wie beim Mann. Eine Frau besitzt das Gleichwertige einer Prostata gleich vor der Innenseite ihrer Yoni. Es wird durch den so genannten G-Punkt stimuliert. Diese Drüse scheidet während einer extremen Erregung eine milchige Substanz ähnlich dem Samen aus, und die kann durch die Harnröhre ejakuliert werden. Die „weibliche Ejakulation“ ist in den vergangenen Jahren zu einem heißen Thema geworden. In dem Zeitalter, da man sich sexuelle Freiheit auf die Fahnen geschrieben hat, ist dies für viele Frauen ein Initiationsritus. Welche Rolle das für die Fortpflanzung spielt, ist schwer zu sagen. Das wird hier erwähnt, weil es scheint, dass in der Blase einer Frau eine ähnliche spirituelle Biologie am Werke ist wie beim Mann. Und obwohl es unwahrscheinlich ist, dass sich eine Frau ähnlich wie ein Mann mit dem Blockieren beschäftigen muss, sind die gleichen biologischen Elemente vorhanden. Natürlich hat die Frau auch andere sexuelle Komponenten, die Teil des spirituellen Funktionierens beim Sex sind, so dass wir also den Vergleich nicht zu weit treiben können. Es lebe der Unterschied!

Bei beiden Geschlechtern kommt es mit der Aufnahme fortgeschrittener Yoga-Übungen zu einer beschleunigten spirituellen Entwicklung, und diese durchläuft auf dem Weg ihrer Entfaltung mehrere Stufen.

Der Guru ist in Dir.