Als junge Erwachsene war ich verzweifelt auf der Suche nach einem Verständnis der metaphysischen Erfahrungen, die ich machte. Ich wurde mir bewusst, dass ich dringend eine Form von Führung nötig hatte, doch jahrelang hatte ich mir eingeredet, dass ich keine Person als Mittler zwischen Gott und mir wollte. So kam natürlich auch niemand – bis ich eines großartigen Tages alleine durch die Hügel oberhalb unseres Hauses schlenderte. Ich flehte um göttliche Führung und meine Intuition erwiderte mir: „Du hast dem Herrn Vorschriften gemacht.“ Welch ein Schock des Erwachens!

Sofort beugte ich meinen Kopf, entschuldigte mich und sprach in den Äther: „Ich will gern jeden als Lehrer annehmen, den Du mir sendest.“ Ich war glücklich, bedankte mich und flitzte nach Hause.

Als ich in mein Schlafzimmer kam, griff ich lässig einen kleinen Fetzen Papier vom Boden auf, knüllte ihn zusammen und warf ihn in den Abfalleimer. Dann ging mir das Licht auf. Ich tauchte buchstäblich, um diesen Fetzen wiederzubekommen, rollte ihn aus und las „Autobiografie eines Yogi von Paramahansa Yogananda.“ Wie kam das dahin? Wer weiß das? Ich wusste intuitiv, dass nun Antworten nah waren.

Ich kaufte das Buch und versenkte mich darin, wurde aber bald durch einen Telefonanruf von einer nahen Freundin unterbrochen. Sie lud mich ein, sie an diesem Wochenende in San Diego zu besuchen. Sie hatte gehört, dass dort jemand (an dessen Namen sie sich nicht mehr erinnerte) einen Vortrag halten würde und sie fühlte, dass ich ihn treffen müsse. Da mich gedanklich vor allem Yoganandas Buch beschäftigte, dankte ich ihr und sagte, dass ich ihre Einladung unmöglich an diesem Wochenende annehmen könne. Sie war sehr traurig – dann erinnerte sie sich und sagte: „Der Name des Sprechers lautet so ungefähr Param … Paramhansa Yogananda.“

„Ach ihr guten Götter!“, schrie ich. „Ich komme gleich zu dir hinunter.“ Und fort eilte ich zu dem, was der Wendepunkt in meinem Leben werden sollte.

Am folgenden Tag besuchten wir die Selbstverwirklichungskirche aller Religionen, um dort Yogananda sprechen zu hören. Mein Privileg war es, seine Lichtaura wahrzunehmen, seine Intelligenz und die unerschöpfliche Tiefe seiner Einsicht. Er offenbarte seine Hingabe an Gott, segnete Jesus Christus und die großen Gurus – auch Sri Yukteswar, seinen geliebten spirituellen Lehrer. Ich war mir einer göttlichen alles durchdringenden Kraft und Liebe bewusst.

Als wir der Reihe nach die Kirche verließen, fragte er mich, ob ich einige Minuten bleiben würde und ich ging froh darauf ein. Es war bei dieser Gelegenheit, dass er mich einlud, im Mutterzentrum der Gemeinschaft der Selbstverwirklichung zu leben und mich an der Arbeit zu beteiligen, und sagte, er könne mich lehren, Dinge zu vollbringen, wie es die Yogis in Indien tun, wie z.B. das bewusste Verlassen und Zurückkehren in den Körper. Ich sagte: „Danke, doch ich bin bereits mit dieser Übung vertraut. Ich mühe mich darum, im Körper zu bleiben.“ Er rollte dann seine Augen hoch zum Christus-Zentrum und sagte danach: „Jedes Wort, das du mir sagst, entspricht der Wahrheit.“ (Stell dir einmal vor, es würde einmal jemand versuchen, ihn hinters Licht zu führen!) Wir unterhielten uns noch eine Weile, dann sagte er: „Du machst bereits Yoga-Erfahrungen wie Meditation und das Hören des AUM (Klang der kosmischen kreativen Schwingung), doch du hast eine Führung nötig.“

Ich antwortete: „Du hast zu 100% recht.“ Ich dankte ihm für unseren Besuch und fragte: „ Darf ich mir etwas Zeit lassen, um deine großzügige Einladung zu überdenken?“

Er sagte, dass ich das könne, dass aber ein Zögern möglicherweise dazu führe, dass ich die Gelegenheit verpassen würde. Da ich zu dieser Zeit die wahre Natur einer Guru-Schüler-Beziehung (eine Beziehung von bedingungsloser Liebe) noch nicht verstand, sagte ich einfach: „Wenn ich annehmen soll, wird Gott für mich die Einladung offen halten.“

Yogananda setzte einen Termin fest, an dem ich ihn in Los Angeles im Mutterzentrum besuchen sollte. In der Nacht vor der Verabredung wurde ich krank, offensichtlich eine Erkältung. Meine Mutter sagte am nächsten Morgen als Erstes, sie würde das Treffen absagen. Doch unmittelbar, bevor ich eingeschlafen war, hatte ich Yogananda in astraler Gestalt gesehen. Er stand ungefähr einen Meter von meinem Bett entfernt und ein wenig über dem Boden. Laut hörbar segnete er mich. Ich wurde von spiritueller Begeisterung erfasst, war ehrfurchtsvoll und dankbar für die sorgende Aufmerksamkeit. Am Morgen zog ich mich an, aß Frühstück und hielt die Verabredung ein.

Es dauerte eine Woche, bis meine Mutter ausrief: „Peg, erinnerst du dich an die Nacht, bevor du Paramahansa Yogananda besucht hast? Du warst so krank.“

„Ja, jetzt, da du mich daran erinnerst!“, antwortete ich. Offensichtlich war die Krankheit spurlos verschwunden. Sogar die Erinnerung daran hatten wir zeitweise verloren.

Der denkwürdige erste Besuch bei der Gemeinschaft der Selbstverwirklichung versetzte mich in Staunen – jedoch auf eine außerordentliche Weise. Yoganandas dynamisches Auftreten durchschwängerte die Atmosphäre dort überall. Ich hatte mir viele Fragen zum Pfad der Selbst-Verwirklichung zurechtgelegt, als ich ankam; doch meine Fragen wichen ganz natürlich dem Interesse am Meister (9) des Aschrams, der mir eifrig Fotos seiner Familie zeigte. Ob ich nicht dachte, dass sein Bruder wie Cary Grant aussah? „Wenn ich mich anstrenge, glaube ich, eine Ähnlichkeit erkennen zu können“, antwortete ich. Später erst erkannte ich, wie kolossal es war, wenn man sich nur in der Gegenwart einer derart großen Seele aufhielt.

Als ich mich diese Nacht bei der Gemeinschaft der Selbst-Verwirklichung zum Schlafengehen zurückzog, bat ich um göttliche Führung. „Bitte sende mir ein Zeichen. Mach es mir irgendwie deutlich, ob ich hier einziehen soll oder nicht.“ Glücklicherweise stellte sich die Antwort ein: Ein tobendes Licht durchdrang mich und den gesamten Raum. Meinen offenen Augen erschien es wie ein Blitze. Ich fühlte mich darin bestärkt, dass ich mich auf dem richtigen Weg befand. Dann wurde ich astral aus meinem Körper geworfen und landete in Yoganandas Apartment; doch sobald ich mir klar darüber wurde, dass ich eingetreten war, ohne zuvor eingeladen worden zu sein, kehrte ich sofort wieder in mein eigenes Zimmer zurück. Am folgenden Tag entschuldigte ich mich bei Yoganandaji. Er sagte: „ Es war überhaupt nicht unanständig, dass du hereingekommen bist.“ Ich dankte ihm und sagte, dass ich glücklich sei und dankbar seine Einladung annehmen würde, am Mt. Washington zu leben und zu arbeiten.

 

Fußnote:
9. "Meister" ist ein Ehrentitel, den man den Yogameistern verleiht. Ich habe am Anfang Yogananda gesagt, dass ich nicht wüsste, ob ich ihn mit Meister anreden könne. Er versicherte mir, dass dieser Titel nicht bedeutete, dass wir seine Sklaven seien, sondern nur, dass er der Meister seiner selbst sei. Bald musste ich einsehen, dass er diesen Titel sehr wohl verdiente.