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Es ist nun an der Zeit, in eine kraftvolle, neue Pranayama-Übung namens Wirbelsäulen-Bastrika einzuführen. „Bastrika“ bedeutet „Blasebalg“. Man atmet dabei schnell, wie beim Hecheln eines Hundes – nur mit dem Zwerchfell (Bauchatmung) und vorzugsweise durch die Nase. Ist es durch die Nase zu schwierig, kann man auch, wenn nötig, durch den Mund atmen.

Das Bastrika dieser Lektionen führt man zusammen mit einem schnellen Laufen der Aufmerksamkeit entlang des Wirbelsäulennervs zwischen dem Perineum (Wurzel) und dem Punkt zwischen den Augenbrauen (drittes Auge) durch, genauso wie wir das schon von der normalen Wirbelsäulenatmung her kennen – nur viel schneller. Der Wirbelsäulenaspekt verleiht dem Bastrika-Pranayama sehr viel mehr Kraft und führt auch zu einem Ausgleich zwischen den göttlichen inneren Polaritäten im Körper. Das Wirbelsäulen-Bastrika lädt das gesamte Nervensystem auf ausgeglichene Weise mit riesigen Mengen reinigenden Pranas auf.

Diese Übung ist durch das Senden kräftiger pranischer Impulse nach oben und unten im Inneren des Wirbelsäulennervs und ihr Ausströmen durch jeden Nerv im Körper ausgezeichnet geeignet, hartnäckige karmische Blockierungen im Nervensystem zu beseitigen.

Wie bei jeder Übung sind auch hier einige Voraussetzungen und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Deshalb wollen wir zunächst auf diese eingehen.

Erstens ist Bastrika kein Allheilmittel und vor allem keine Übung, die gut für sich alleine stehen kann. Sie wird ihre Wirkung nur entfalten, wenn ausreichend vorbereitende Übungen (vor allem Wirbelsäulenatmung und tiefe Meditation) über einige Zeit regelmäßig und stetig angewandt wurden. Das Wirbelsäulen-Bastrika führt man zwischen den sitzenden Übungen der Wirbelsäulenatmung und der tiefen Meditation durch. Seine größte Wirkung entfaltet sie in Verbindung mit diesen Kernübungen.

Zweitens: Wenn Du irgendwelche gesundheitlichen Probleme hast, die durch diese Art des längeren hechelnden Atmens verschlimmert wird, dann nimm bitte von dieser Übung Abstand. Bist Du Dir nicht sicher, dann sprich erst mit Deinem Arzt.

Drittens: Unter gewissen Umständen kann das Wirbelsäulen-Bastrika innere Blockierungen verschlimmern und sollte in diesem Fall natürlicherweise nur mäßig eingesetzt werden. In den meisten Fällen setzt es Blockierungen frei, ohne etwas zu verschlimmern, und kann dann forcierter angewandt werden. Zu einer Gewissheit, wie Dein Nervensystem auf das Wirbelsäulen-Bastrika reagiert, kannst Du nur gelangen, wenn Du es ausprobierst. Deshalb ist es gut, langsam und mit vorsichtigem Einsatz von Selbstabstimmung anzufangen. Denke aber daran, dass es bei dem Wirbelsäulen-Bastrika zu verzögerten Reaktionen kommen kann, d.h. dass Du nicht alle Effekte sofort bemerkst.

Das Wirbelsäulen-Bastrika ist am nützlichsten, wenn der Boden dafür, d.h. das gesamte Nervensystem, bereits mit tiefer Meditation und Wirbelsäulenatmung bereitet wurde. Dann kann das Wirbelsäulen-Bastrika helfen, unsere Aufgabe, alle noch übrig gebliebenen, störrischen, karmischen Blockierungen herauszubekommen, zu einem Ende zu bringen. In diesem Sinne ist es wie ein Hochdruckreiniger, den man einsetzt, um noch die hart sitzenden Widerstände, die bereits etwas mit Meditation und Wirbelsäulenatmung gelockert wurden, herauszubrechen und fortzuspülen.

Wie bereits erwähnt, bedeutet Bastrika „Blasebalg“. Ich nenne es jedoch „Hündchenhecheln“ und möchte damit mehr ein sanftes, kontinuierliches, schnelles Atmen als das Keuchen und Schnaufen, was durch das Bild des Blasebalgs befördert wird, in die Vorstellung rufen. Das Hündchenhecheln kann man allerdings auch ziemlich lebhaft machen. Manchmal wird es von ganz alleine lebhaft. Es ist eine lange Reihe flacher, schneller Atemzüge unter ausschließlicher Nutzung des Zwerchfells und das hält man die gesamte festgesetzte Zeit bei, während die Aufmerksamkeit mit dem Atem den Wirbelsäulennerv zwischen der Wurzel und dem dritten Auge nach oben und unten geht. Man muss sich etwas daran gewöhnen. Wie das bei allen anderen Übungen auch der Fall ist, wird das Wirbelsäulen-Bastrika anfangs ein wenig „klobig“ sein. Du wirst sehen, dass es etwas Übung erfordert, die Aufmerksamkeit mit dem Atem schnell nach oben und wieder nach unten wandern zu lassen. Es kann auch vorkommen, dass die Lungen dazu tendieren, während des langen Hechelns immer leerer oder voller zu werden. Dieses „Abdriften“ ist normal, und es ist in Ordnung, wenn man die Lungen während einer Wirbelsäulen-Bastrika-Sitzung, falls notwendig, mehrmals leert oder auffüllt, um dieses Abdriften auszugleichen. Kommt es zu keinem Abdriften, ist das sehr gut. Dann fahr nur für die festgesetzte Zeit mit Wirbelsäulen-Bastrika fort.

Wir empfehlen, dass Du mit zwei Minuten Wirbelsäulen-Bastrika gleich vor der Meditation beginnst, d.h. also nach der Wirbelsäulenatmung und allen anderen Pranayama-Formen, die Du noch machst (Yoni Mudra Kumbhaka oder die Kinnpumpe). Halte Siddhasana, Sambhavi, Mulabandha, Kechari etc. weiter bei. Etwas Uddiyana (leichtes Einziehen des Bauches) kann auch während des Wirbelsäulen-Bastrika gesetzt werden. Sobald Du das Gefühl für die Energie bekommst, die sich beim Wirbelsäulen-Bastrika bewegt, wird Dein Körper instinktiv wissen, was er zu tun hat und all diese Manöver werden sich von selbst verfeinern und anpassen. Sobald man sich daran gewöhnt hat, ist das Wirbelsäulen-Bastrika mit all ihren zugehörigen Komponenten etwas ganz Normales. Es wird zu einer sehr angenehmen Übung mit lang nachwirkenden ekstatischen Ergebnissen in den täglichen Aktivitäten und trägt ständig zur Erleuchtung bei. Sind diese karmischen Blockierungen weg, sind sie für immer fort, und das Licht scheint hell aus dem Inneren.

Hat man die zweiminütige Praxis so eingerichtet und ist sie nach ein oder zwei Wochen angenehm geworden, kann man das Wirbelsäulen-Bastrika – wenn man sich danach fühlt – drei Minuten und schließlich bis zu fünf Minuten ausführen. Wirbelsäulen-Bastrika ist bei längerer Anwendung sehr kraftvoll. Denke daran und auch an die verzögerten Effekte, wenn Du darangehst, damit Erfahrungen zu sammeln.

Du wirst sehen, dass Dir Wirbelsäulen-Bastrika hilft, Deine Meditation zu vertiefen. Wenn so viel während der verschiedenen Formen von Pranayama vor der Meditation losgeschlagen wird, macht das den Prozess der tiefen Meditation, der zu innerer Stille und globaler Reinigung im Nervensystem führt, viel schneller und geschmeidiger.

Wirbelsäulen-Bastrika schaltet den allgemeinen Reinigungsprozess in einen höheren Gang, löst die Nerven und kultiviert das gesamte Nervensystem immens. Stelle sicher, dass Du wie bei all Deinen anderen Übungen auch beim Wirbelsäulen-Bastrika Selbstabstimmung anwendest. Stimme Deine Übungen immer so ab, dass die sich ergebende Reinigung im Nervensystem nie Deine Grenze des Angenehmen überschreitet. Lass Dir Zeit bei der Suche einer ausgeglichenen Integration von Wirbelsäulen-Bastrika in Deine Routine täglicher Übungen.

In einigen Wochen werden wir noch auf einige Variationen von Wirbelsäulen-Bastrika eingehen, die für ein zielgerichteteres karmisches Reinigen eingesetzt werden können.

Der Guru ist in Dir.