Lektion 47 – F&A – Chakren?

Lektion 47 – F&A – Chakren?

Frage: Ich habe davon gehört, wie wichtig die Chakren sind, wenn man spirituelle Übungen macht. Was ist das und welche Rolle spielen sie in diesen Lektionen?

Antwort: Chakren, auch als spirituelle Energiezentren bekannt, sind Bestandteile unserer inneren energetischen Anatomie und haben etwas mit verschiedenen Erscheinungen unseres Nervensystems zu tun. Ihre Funktion ist für uns lebenswichtig, durch sie wird Bewusstsein in der Form von Prana in uns reguliert. In der Philosophie der östlichen Religionen spielen sie eine wichtige Rolle. Sie treten aber auch im Christentum, z.B. im Buch der Offenbarungen, in Erscheinung.

Wie wichtig sind Chakren in den fortgeschrittenen Yoga-Übungen? Sie sind wichtig, doch nicht in dem Sinne, dass man sie intellektuell verstehen muss, um das Höchstmaß an spirituellem Fortschritt erzielen zu können.

Denk einmal an dein Auto. Wenn du am Morgen einsteigst, ist da nur wenig zu tun, um den Wagen in Bewegung zu setzen. Du drehst den Zündschlüssel um, legst den Gang ein, trittst auf das Gaspedal und fährst los. Dann musst du lenken, auf die Bremse treten usw. Autofahren ist etwas, was die meisten von uns ziemlich gut beherrschen. Stell dir aber einmal vor, man müsste beim Autofahren alles verstehen und regeln, was im Augenblick unter der Motorhaube abläuft, damit das Auto fährt. Nimm an, wir müssten das Benzin vom Tank in den Motor pumpen, die Kerzen rechtzeitig zünden, die Kolben beim Heben und Senken überwachen und das Drehmoment der Kurbelwelle sowie die Übersetzung auf die Räder verfolgen. Nehmen wir noch an, dass wir gleichzeitig noch alles überwachen müssten, was im Kühlsystem des Motors, im Schmiersystem, im Belüftungssystem, elektrischen System usw. abläuft. Könnten wir in so einem Fall den Wagen fahren? Wahrscheinlich nicht. Wir können so leicht mit dem Auto fahren, weil wir wissen, wie wir die Hauptschalthebel bedienen müssen. Der ganze Rest läuft automatisch unter der Motorhaube ab und wir brauchen nicht einmal daran zu denken. Das Auto wurde so konstruiert, dass man damit leicht fahren kann, auch wenn die Technologie im Inneren komplex ist.

Genauso ist das auch mit den fortgeschrittenen Yoga-Übungen. Spirituell gesehen wurden auch wir so erschaffen, dass wir mit uns leicht fahren können. Wir benutzen die Hauptbedienelemente und der ganze Rest läuft automatisch ab. Wir müssen uns nicht um jedes Detail kümmern. Die meiste Zeit bleiben die Abläufe in den Chakren „unter der Kühlerhaube“ verborgen. Wir alle neigen dazu, uns auch für die Einzelheiten der Dinge zu interessieren. Wir sind eine neugierige Gattung und wollen wissen, wie die Dinge funktionieren. Wir lieben es herumzubasteln. Das ist in Ordnung, hat aber nicht viel mit dem effektiven Ausüben von spirituellen Techniken zu tun, d.h., ein Auto zu fahren. Bei diesen Lektionen geht es vor allem auf das Fahren des Autos, nicht um die Analyse der maschinellen Abläufe unter der Motorhaube.

Da dies nun gesagt ist, wollen wir dennoch einen kurzen Blick darauf werfen, wie die bisher behandelten Hauptbedienelemente die Chakren beeinflussen.

In der Meditation beruhigen wir auf schnellem Weg die ganze innere Maschinerie und gehen geradewegs zur Quelle, der Stille reinen Glückseligkeitsbewusstseins. Deshalb hat die Meditation auf die Chakren den Effekt der Beruhigung. In der Meditation kommt es – entsprechend dem individuellen Muster von Blockierungen – zur Reinigung im Nervensystem. Die Chakren sind darin mit einbezogen, aber nicht auf eine vorhersehbare Weise. Die Reinigung verläuft auf dem notwendigen Weg und wir brauchen nur der einfachen Vorgehensweise der Meditation folgen.

Beim Pranayama spüren wir mit dem Atem dem Inneren des Wirbelsäulennervs nach unten und oben nach. Der Wirbelsäulennerv oder die Sushumna ist die Hauptschnellstraße im Nervensystem. Jeder andere Nerv wird durch das beeinflusst, was im Wirbelsäulennerv geschieht. Es ist der Hauptnerv für die vielen tausend Nerven in unserem Körper. Die Chakren sind in unserem Wirbelsäulennerv verwurzelt und sind auf ihm von oben bis unten verteilt. Wenn wir also nach oben und unten wandern, den Wirbelsäulennerv reinigen und den Prana-Fluss in unserem Nervensystem erhöhen, reinigen und beleben wir gleichzeitig die Chakren. Das vollzieht sich automatisch.

Im weiteren Verlauf unserer fortgeschrittenen Yoga-Übungen steigern wir die Stimulierung des Wirbelsäulennervs noch auf besondere Weise. Dadurch nehmen wir auch Einfluss auf die Chakren. Dies geschieht sowohl durch physisch als auch mental ausgerichtete Übungen. Wir erörtern die Rolle der Chakren als Teil unserer Übungen nicht. Aber wir beeinflussen sie dennoch gewaltig, indem wir die zentralen Steuerhebel betätigen. Wir erwähnen in den Lektionen das eine oder andere Chakra vielleicht ab und zu bei Gelegenheit der Besprechung der verschiedenen Erfahrungen, die sich einstellen können. Eine zu große Fixierung auf die Chakren kann jedoch von den spirituellen Übungen ablenken – genauso wie zu viel Nachgrübeln über den Automotor vom Fahren ablenken kann.

Wir beziehen die Chakren in der Meditation und im Pranayama bereits ausgiebig ein. Das findet alles automatisch unter der Motorhaube statt. Sieh das also ganz locker und erfreue dich an der Reise.

Der Guru ist in dir.

Zusatz: Um noch etwas mehr Informationen zur Verfügung zu stellen, geben wir hier noch kurze Beschreibungen der sieben Haupt-Chakren. Einige der Anmerkungen hier verweisen bereits auf Übungen, die erst später behandelt werden.

  • Muladhara (“Wurzel” oder “Fundament”): Es ist das erste Chakra mit Sitz am Perineum, wo die Kundali-ni-Energie zuerst erweckt wird.
  • Svadisthana (“Wohnsitz”): Das zweite Chakra, befindet sich im Bereich der inneren Geschlechtsorgane. Das ist der Wohnsitz einer großen Menge gespeicherter pranischer Energie, der sexuellen Vitalität. Sobald man diese einmal aktiviert hat, fließen riesige Energieströme von dort nach oben und erleuchten das ge-samte Nervensystem spirituell.
  • Manipura („Stadt der Edelsteine“): Das dritte Chakra mit Sitz im Bereich des Nabels/Solarplexus’ steht in Verbindung mit der Verdauung, wozu auch der höhere Stoffwechsel mit der Produktion von erleuch-tungsförderlichen organischen Bestandteilen im Magen-Darm-Bereich gehört, die glitzernde Energie aus-strahlen – von daher die Bezugnahme auf Edelsteine.
  • Anahata („nicht durch Anschlagen erzeugter Klang“): Das vierte Chakra hat seinen Sitz in der Herzge-gend. Hier erlebt der Yoga-Übende das erste Mal die Grenzenlosigkeit des inneren Weltraums, der oft mit himmlischen (unangeschlagenen) Tönen und anderen sinnlichen Erfahrungen angefüllt ist.
  • Vishuddhi (“Reinheit”) ist das fünfte Chakra und hat seinen Sitz an der Kehle. Dies ist ein Tor für die pra-nische Energie zum Aufstieg in den Kopf. Es ist auch ein Schlüsselzentrum für die Sprache und Kommu-nikation. Mit täglichen Yoga-Übungen kommt es ganz natürlich zur Reinigung in der Kehle und gleich-zeitig öffnen sich die von diesem Chakra ausgehenden inneren und äußeren Ausdrucksformen von Ener-gie.
  • Ajna („Befehl“) ist das sechste Chakra und auch als drittes Auge bekannt. Es umfasst die Neurobiologie vom Zentrum der Stirn zum Zentrum des Kopfes und die Medulla Oblongata (Hirnstamm). Das Ajna ist das Befehlszentrum, das die ekstatischen Aspekte des Erleuchtungsprozesses bei der progressiven und ungefährlichen Erweckung von Kundalini kontrolliert.
  • Sahasrara („tausendblättriger Lotus”) ist das siebte Chakra und befindet sich am Scheitel des Kopfes (co-rona radiata). Erweckt man es und tritt man darin ein, führt dies zum Verschmelzen des individuellen Be-wusstseins mit dem unendlichen göttlichen Bewusstsein. Die vorzeitige Erweckung des Sahasrara kann jedoch in einem Nervensystem, das nicht zuerst ausreichend gereinigt wurde, zu vielen Schwierigkeiten führen. Erweckt man zunächst das Ajna (drittes Auge), bereitet dies das gesamte Nervensystem vor und öffnet gleichzeitig auf indirektem Weg das Sahasrara. Das ist dann ohne weiteres mit einer Geschwindig-keit allgemeiner Reinigung verträglich, wie sie vom Übenden auf angenehme Art eingeregelt und auf-rechterhalten werden kann – progressiv und völlig gefahrlos. In Lektion 199 wird darauf noch ausführlich eingegangen.

Über den Autor

Yogani

Yogani ist ein anonymer US Amerikaner, der 2003 begann, im Internet sein spirituelles Wissen in Form von Lektionen zu veröffentlichen und damit auf einen großen Kreis Interessierter weltweit traf. Im Laufe der Jahre entstand Daraus eine umfassende Bibliothek zu allen Aspekten des Yoga. Inzwischen gibt es viele Übersetzungen in andere Sprachen. Die Lektionen sind immer noch kostenlos abrufbar. Heute gibt es auch Bücher, Hörbücher, Ebooks und im Englischen eine PLus-Mitgliedschaft sowie ein gut besuchtes Forum.

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