Lektion 365 – Die Bandbreite von Empfindlichkeiten gegenüber der tiefen Meditation

Lektion 365 – Die Bandbreite von Empfindlichkeiten gegenüber der tiefen Meditation

Der bei den Fortgeschrittenen Yoga Übungen genutzte Meditationsstil funktioniert mit einem Mantra. In Kombination mit einer bestimmten Vorgehensweise wird dieses zur Förderung der Reinigung und Öffnung in unserem Nervensystem angewandt. Das Ziel dabei ist die Kultivierung bleibender innerer Stille. Wie wir wissen, ist die bleibende innere Stille (reines Glückseligkeitsbewusstsein, der Zeuge usw.) der entscheidende Bestandteil, der alles andere, was wir beim Yoga tun, unterstützt. Diese Stille, die in uns aufsteigt, ist die Essenz der Erleuchtung. Das ist die Grundlage für ein Leben des Friedens, der Energie und Kreativität, gleich, in welchen scheinbar widrigen äußeren Umständen wir uns wiederfinden.

Alle unterscheiden sich etwas darin, wie sie auf spirituelle Übungen reagieren. Besonders ist das bei der tiefen Meditation mit dem Mantra der Fall. Das ist eine kraftvolle Technik. Wie sie in jeder Person funktioniert, hängt von der einzigartigen Blockierungsmatrix und den Öffnungen ab, die das Nervensystem des Individuums bereits aufweist. Es ist nicht möglich, genau vorherzusagen, wie diese in jeder Person aussehen. Doch wir stellen fest, dass die Reaktion auf die tiefe Meditation für jeden Übenden eigene Charakteristika aufweist. Beobachtet man die Bandbreite der Reaktionen bei vielen Übenden, sieht man, dass es da eindeutig eine Spanne von Reizempfindlichkeit hinsichtlich der tiefen Meditation und anderen spirituellen Techniken gibt.

Bei FYÜ hatten wir über die Jahre die Gelegenheit, die vielen Reaktionen auf die tiefe Meditation genau zu beobachten, weil die Erfahrungen in privaten E-Mails und in den öffentlichen AYP-Support Foren (englisch) mitgeteilt wurden. Was wir gesehen haben, ist eine Bandbreite von Empfindlichkeiten. Trotz unseres natürlichen Wunsches, die eine, für alle passende Größe zu finden, gibt es die hier wie in allen anderen Dingen im Leben nicht. Die Spanne von individuellen Empfindlichkeiten in der Gemeinschaft der Übenden weist einen großen Umfang auf und deckt die ganze Bandbreite von kaum empfindlich bis überempfindlich ab.

Eine wichtige Herausforderung, mit der wir bei den Fortgeschrittenen Yoga Übungen konfrontiert waren, ist vom Charakter her dieselbe, wie sie bei vielen Dingen, die der Öffentlichkeit angeboten werden, auftritt: Wie stellt man konzentrierte Mittel für das Erreichen bestimmter Aufgaben zur Verfügung, die den meisten Menschen dienlich sind, während man sich gleichzeitig auf einen großen Umfang von Empfindlichkeiten der Nutzer bzw. Praktizierenden hinsichtlich der bereitgestellten Mittel einstellt. Natürlich handelt es sich in unserem Fall um die besondere Aufgabe der Kultivierung von bleibender innerer Stille.

Wir sprechen nicht nur von persönlichen Vorlieben. Es geht vor allem um die Erfahrungen, die man macht, wenn man die tiefe Meditationsübung über kurz oder lang praktiziert. Die Erfahrungen haben dann Einfluss auf die persönlichen Vorlieben. Das ist ebenso ein wichtiger Gesichtspunkt. Wenn die tiefe Meditation nicht die gewünschten Ergebnisse hervorbringt oder als besonders unangenehm empfunden wird, dann beeinflusst dies den eigenen Wunsch, überhaupt zu praktizieren, negativ.

Glücklicherweise zählt die große Mehrheit der Übenden zu denjenigen, die das Zentrum der Empfindlichkeitsbandbreite abdecken. Diese können bei den meisten der unterschiedlichen Erfahrungen einfach mit den Methoden der Selbstabstimmung und dem Erden, wie wir dies im Laufe der Lektionen diskutiert haben, reagieren. Auf den beiden Seiten des großen Zentrumsbereichs der Übenden haben wir jene, die bezüglich der tiefen Meditation entweder eine zu geringe oder zu große Empfindlichkeit aufweisen können.

Obwohl die wissenschaftliche Untersuchung der Empfindlichkeiten bezüglich der tiefen Meditation noch ein Desiderat darstellt, sehen wir heute schon, dass die Verteilung der Empfindlichkeiten einer Glockenkurve entspricht. Bei dieser befinden sich die wenigen überaus unempfindlichen Meditierenden weit links vom Zentrum, die wenigen höchst überempfindlichen Meditierenden sind weit rechts vom Zentrum zu verorten. Die Mehrzahl der Übenden, die weder unter- noch überreagieren, besetzen das Zentrum.

Die Verwendung der Glockenkurvenabbildung macht anschaulich, dass die meisten Übenden sich im zentralen Bereich der Stabilität befinden, in dem man alles unter Kontrolle halten kann, wenn man die Standardmittel der Selbstabstimmung und Erdung anwendet. Gehen wir hinaus zu einer der beiden Seiten des Zentrums, stoßen wir auf die wenigen Übenden, die entweder gering empfindlich oder überempfindlich reagieren. Es sind diese Übenden, die ein zusätzliches Verständnis und Hilfestellung mit Kompensationsmittel auf Wegen erfordern, die einen guten Fortschritt mit Bequemlichkeit und Sicherheit in der tiefen Meditation erleichtern.

In zukünftigen Lektionen werden wir sehen, dass die Angehörigen beider Enden der Empfindlichkeitsskala hinsichtlich der tiefen Meditation Fähigkeiten aufweisen, die nur bei diesen vorkommen. Niemand ist irgendwie besonders benachteiligt. Es ist nur ein klareres Verständnis der Dynamiken beim Transzendieren von Bewusstseinsobjekten in der Meditation nötig. Wir wollen also sicherstellen, dass ein jeder die Werkzeuge hat, die er braucht.

Zu geringe Empfindlichkeiten bezüglich der Meditation

Während die meisten Übenden der tiefen Meditation in ihrem täglichen Leben auf Sachverhalte aufmerksam werden, die anzeigen, dass da etwas innere Stille aufkommt, ist dies nicht bei jedem so. In manchen Fällen kann der Meditierende lange Zeit keine Ergebnisse bemerken, selbst wenn sie anderen, die ihm nahe stehen, sehr wohl auffallen. Der Übende sagt vielleicht: „Nichts geschieht.“

Ob da nichts oder doch etwas geschieht, hängt von einer Reihe von Faktoren ab, auch von dem Grad, bis zu dem die feineren Gesichtspunkte der Vorgehensweise der tiefen Meditation genutzt werden, dem Ausmaß, bis zu dem die subtilen Ergebnisse wahrgenommen werden, der Rolle der Erwartung des Übenden und so weiter. Es kommt nur höchst selten vor, dass wirklich nichts geschieht. Alles hängt davon ab, ob man den Prozess versteht und die besonderen Mittel anwendet, die sicherstellen, dass die Übung richtig ausgeführt wird. Manchmal ist es schlicht eine Frage, wie man die Feedbacks zu Ergebnissen verbessert und wie man die Erwartungen anpasst.

Es ist genauso eine Frage von Bhakti (spiritueller Wunsch) und des Aufrechterhaltens von täglicher Übung über einen langen Zeitraum hinweg. Unabhängig von unserer Empfindlichkeit oder dem Fehlen davon liegt der Schlüssel des Erfolges bei der tiefen Meditation in der langfristigen zweimal täglichen Anwendung. Obwohl also eine zu geringe Empfindlichkeit hinsichtlich der tiefen Meditation als ein vorrangiges Problem erscheinen mag, ist das in Wirklichkeit keines.

Das Problem liegt bei unserer Selbstverpflichtung, über lange Zeit hinweg täglich zu praktizieren, solange eben, bis das Ziel erreicht ist. Können wir dies aufrecht erhalten, stellen sich die Ergebnisse ein. Wie die Dinge so auf dieser Erde bestellt sind, werden wir uns tatsächlich eher früher als später in Richtung Zentrum der Glockenkurve bewegen. Sind wir wiederum zu aggressiv in unserer Praxis, können wir auch den ganzen Weg hinüber zu den Überempfindlichen rutschen! Das kann passieren. Die Selbstabstimmung ist also für jeden da, auch für jene, die glauben, sie seien zu wenig empfindlich. Das ändert sich mitunter im Handumdrehen.

In der nächsten Lektion wollen wir auf die zu wenig Empfindlichen hinsichtlich der tiefen Meditation und auf die möglichen Gegenmittel eingehen.

Überempfindlich hinsichtlich der Tiefen Meditation

Wann immer uns ein Gefühl des Zuviel-gemacht-Habens beschleicht, besonders wenn wir von unserer Meditationssitzung aufstehen, mag das ganz einfach daran liegen, dass wir uns vor dem Aufstehen länger ausruhen, unsere Meditationszeit etwas verkürzen oder uns in täglichen Aktivitäten mehr engagieren müssen, um die Ergebnisse unserer Übungen zu stabilisieren. Haben wir sichergestellt, dass wir ein normales Maß anwenden, und sind wir dann immer noch während des Tages irritiert oder haben es mit anderen unangenehmen Symptomen zu tun, dann gehören wir möglicherweise zu den Überempfindlichen. Das kann dazu führen, dass wir unsere Übungszeit soweit beschneiden, dass sie nur einige Minuten pro Sitzung dauert. Andere Übungen, die wir während unserer Sitzungen eventuell machen, werden dann ähnlich verkürzt.

Jene, die feststellen, dass sie auf die tiefe Meditation überempfindlich reagieren, sind oft diejenigen, die eine große Bhakti (spirituellen Wunsch) aufweisen. Es kann deshalb frustrierend sein, wenn man die Übungen auf diese Weise beschneidet. Doch das kommt vor und wir müssen Rücksicht auf unser psychologisches und körperliches Wohlergehen nehmen. Dafür sind Selbstabstimmung und Erdung da.

Zu große Empfindlichkeit im Falle einiger Meditierender ist etwas, mit was wir uns seit den ersten Tagen der Fortgeschrittenen Yoga Übungen (vgl. Lektion 160 und 200) beschäftigt haben. Das hat sich im Zuge von ständigen Diskussionen und Nachforschungen allmählich entwickelt. Trotzdem bleibt auf diesem Gebiet noch viel zu tun.

Neben den Standardmethoden der Selbstabstimmung und Erdung gibt es für überempfindlich Meditierende einige Alternativen. Es gibt Wege, die Meditationssitzungen auszudehnen, während man die Symptome des Übertreibens minimiert. Wir werden darauf in einigen Lektionen weiter unten zurückkommen. Derartige Lösungen sind vorläufig und werden immer noch getestet. Es ist auch nicht so, dass eine Lösung für alle überempfindlich Meditierende funktioniert. Wir gehen also an diese Herausforderung vorsichtig heran und auf eine Weise, die uns etwas Unterstützung bietet, ohne das Wasser für irgendjemanden unnötig schlammig werden zu lassen. In der Zwischenzeit schlagen wir vor, dass man die Selbstabstimmung je nach Bedarf weiter anwendet, um die Dinge auf ruhigem Kurs zu halten, wo immer man sich auf der Empfindlichkeitsskala verortet.

Die weltweit zunehmende spirituelle Empfindlichkeit

Obwohl man das nicht als eine wissenschaftliche Tatsache ausgeben kann, erscheint es vielen offensichtlich, dass da unterschwellig ein Faktor wirkt, der dazu beiträgt, dass in allen Menschen die Sensibilität hinsichtlich der tiefen Meditation und allen spirituellen Übungen zunimmt. Schon seit einiger Zeit nehmen viele wahr, dass die Welt bewusster wird und sich dieser Prozess sogar beschleunigt (vgl. Lektion 93). Die Bewusstseinserweiterung der Welt führt zu einem Anstieg der Empfindlichkeit in allen und damit einhergehend zu einer erhöhten Empfindlichkeit hinsichtlich spiritueller Übungen. Was bedeutet dies?

Das ist eine gute Nachricht. Durch das Zusammenwirken von Millionen spirituell Übender weltweit seit der Mitte des 20. Jh. wurde ein Momentum zunehmender innerer Stille in der Welt geschaffen. Das ist spürbar und führt dazu, dass ein Engagement in einem beschleunigten Programm spirituellen Fortschritts viel fruchtbarer ist, als dies früher der Fall war. Die Behauptung, wir befänden uns in einem neuen Zeitalter („New Age“), sind nicht unbegründet.

Auf die Verteilung der Empfindlichkeit hinsichtlich der tiefen Meditation und aller spirituellen Praktiken hat das die Wirkung, dass die Glockenkurve mit allen Übenden der tiefen Meditation allmählich nach rechts wandert (sie neigt sich). Alle Übenden werden sensibler, was zur Folge hat, dass wir uns auf unserem spirituellen Pfad alle schneller vorwärtsbewegen.

Das bedeutet gleichzeitig, dass wir mit Bedacht, wann immer nötig, die Selbst-Analyse anwenden und während des Tages aktiv sein sollten, um geerdet zu bleiben. Gehen wir längere Zeit auf unserem Pfad der Übungen weiter, stellen wir vielleicht fest, dass weniger Übung mehr ist. Viele haben dies bereits festgestellt und es gibt gute Gründe zu der Annahme, dass der Trend in diese Richtung geht. Die Anzahl spirituell Übender auf der Erde nimmt rapide zu. Das anhaltende Ergebnis davon ist eine sich beschleunigende Zunahme des Bewusstseins der Welt. Die Implikationen davon sind weitreichend.

Derweil erfordert der Wandel im Weltbewusstsein eine Änderung in der Anwendung von spirituellen Übungen, um dadurch den stabilen Fortschritt zu unterstützen. Bei den Fortgeschrittenen Yoga Übungen wird das offensichtlich, weil Einzelne und die Gemeinschaft als Ganzes auf die Übungen empfindlicher reagieren. Wir müssen also einige praktische Aufgaben bezüglich unserer Übungen lösen, wenn wir weitergehen.

Da die Wissens- und Inspirationsquelle der Fortgeschrittenen Yoga Übungen allen offensteht, bleibt es jedem selbst überlassen, Übungen aufzunehmen und je nach Bedarf der eigenen Erfahrungen und Bedürfnisse entsprechend, Anpassungen vorzunehmen. Diese Form des selbstbestimmten Ansatzes ist in diesen Zeiten der sich verändernden spirituellen Empfindlichkeit entscheidend. Die Elemente der Selbstabstimmung, Erdung, zusätzlicher Kundalini Mittel und alternativer Übungsformen sind alle Teil der Werkzeugkiste, die wir gerne für alle bereitstellen wollen, die wünschen, eine effektive spirituelle Praxisroutine aufzubauen.

Der Guru ist in dir.

Über den Autor

Yogani

Yogani ist ein anonymer US Amerikaner, der 2003 begann, im Internet sein spirituelles Wissen in Form von Lektionen zu veröffentlichen und damit auf einen großen Kreis Interessierter weltweit traf. Im Laufe der Jahre entstand Daraus eine umfassende Bibliothek zu allen Aspekten des Yoga. Inzwischen gibt es viele Übersetzungen in andere Sprachen. Die Lektionen sind immer noch kostenlos abrufbar. Heute gibt es auch Bücher, Hörbücher, Ebooks und im Englischen eine PLus-Mitgliedschaft sowie ein gut besuchtes Forum.

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