Lektion 379 – Das Verschlucken von Luft

Frage: Wie du das in früheren Lektionen angedeutet hast, besteht ein Teil der fortgeschrittenen Yoga Praxis in einem natürlichen Zirkulieren von Luft durch das Verdauungssystem. Ich bin auf angenehme Weise mit Pranayama und Nauli gewachsen und stelle nun fest, dass ich beginne, Luft zu verschlucken, ohne es wirklich zu beabsichtigen. Die Luft zirkuliert dann im Verdauungssystem und nur wenig davon kommt heraus. Bist du damit vertraut? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Kannst du mir helfen zu verstehen, was da geschieht?


Antwort: Die Anwesenheit von mehr Luft im Verdauungstrakt ist beim Aufkommen ekstatischer Leitfähigkeit (Kundalini) ein normaler Teil der Neurobiologie. Das wurde in Lektion 304 beschrieben, als es um den „Nektarzyklus“ ging und auch woanders in den Lektionen. Luft spielt beim Nektarzyklus eine zentrale Rolle. Sie mischt sich im Verdauungstrakt, wo eine höhere Form der Verdauung erscheint, mit Nahrung und sexuellen Essenzen. Dadurch werden verfeinerte Substanzen produziert, die die Neurobiologie der ekstatischen Erweckung vorantreiben. Das ist ein natürlicher Prozess, der in uns aufkommt, sobald wir mit der durch unsere täglichen Yoga-Übungen kultivierten inneren Reinigung und Öffnung vorankommen.


Luft dringt aufgrund der zunehmenden Porosität in den Geweben des Körpers in unseren Verdauungstrakt ein. Das ist auf die spirituelle Praxis, besonders Pranayama, zurückzuführen. Stellen wir fest, dass wir etwas Luft schlucken, kann das eine genauso natürliche Erscheinung sein. Das bedeutet, dass im Verdauungstrakt der Bedarf vorhanden ist, dass aber die Luft, die durch die Gewebe eintritt, nicht ausreicht. Deshalb sind wir gezwungen, etwas zu schlucken. 


Nehmen wir Luft auf, bevor die ekstatische Leitfähigkeit erweckt ist, kann das kontraproduktiv sein. Einen „Buddha-Bauch“ zu erzeugen, indem wir uns mit Luft anfüllen, um erleuchtet zu werden, ist nicht notwendig. Das gilt für viele der Energie stimulierenden Yoga und Tantra Übungen. Sie sind nur effektiv, wenn da ausreichende bleibende innere Stille im Nervensystem gegeben und ekstatische Leitfähigkeit bereit ist, zu erwachen. Die Kultivierung von bleibender innerer Stille mittels tiefer Meditation (und später mithilfe Samyama und beziehungsvoller Selbst-Analyse) ist die Grundvoraussetzung für die ekstatische Erweckung. Werden die Lektionen der Reihe nach durchgenommen, stößt man automatisch auf die vorgeschlagene Abfolge, durch welche viele Übungen in die tägliche Routine eingebracht werden können. So erreicht man dies auf systematische Weise.


Pranayama, Asanas, Mudras, Bandhas und tantrische Methoden haben sehr viel mit dem zuvor erwähnten Prozess der ekstatischen Erweckung zu tun, der eine Schlüsselkomponente des Erleuchtungsprozesses darstellt. Dabei sind Pranayama Methoden, zu denen auch die maßvolle Anwendung von Kumbhaka gehört, für die systematische Reinigung und Öffnung der Neurobiologie besonders wichtig. Das regt das Aufkommen der ekstatischen Leitfähigkeit an und füllt den zunehmend porösen Körper und Verdauungstrakt mit Luft. Dazu kommt es auf natürliche Weise, wenn man mit den Übungen Fortschritte macht. Zum Beispiel ist das automatische Atemanhalten während der tiefen Meditation üblich und steht in Verbindung mit dem natürlichen umfassenden Prozess der Erweckung.


Verbessert sich die ekstatische Leitfähigkeit, kann es zu gelegentlichem automatischen Schlucken von Luft kommen. Das ist nicht zu verwechseln mit einer absichtlichen Aufnahme von Luft, was zu unerwünschten Ergebnissen führen kann. Die Rolle von Luft im Verdauungstrakt ist in der höheren Biochemie von Bedeutung. Dabei werden Luft, Nahrungsmittel und sexuelle Essenzen vermischt. Das führt zur Produktion eines verfeinerten Verdauungsprodukts, das wir „Soma“ nennen und das zum Gehirn aufsteigt, wo es weiter verarbeitet wird. Dort entsteht daraus „Amrita“ (Nektar). Der kommt durch die Nasennebengänge und die Nasengänge wieder zurück nach unten in den Verdauungstrakt, wo er in den Kreislauf zurückgeführt wird und so weiter. Das ist der „Nektarkreislauf“, der zur Ausstrahlung von ekstatischer Glückseligkeit aus dem Inneren des Körpers führt. Das Agens dieser Ausstrahlung nennt man „Ojas“, das man manchmal auf der Haut als ölige Substanz, süßen Geruch oder leuchtende Ausstrahlung vorfinden kann. 


Damit einhergehend kommt es zu einem natürlichen Erblühen des Verhaltens. Das Ergebnis im täglichen Leben ist bleibende innere Stille, ekstatische Glückseligkeit und ausfließende göttliche Liebe in allem, was wir tun. Wir bezeichnen das auch als „Stille im Handeln“. Das hat weitreichende Auswirkungen für die gesamte Menschheit. Aus diesem Grund machen wir Yoga: Wegen der entwicklungsgemäßen Ergebnisse, die das Praktizieren für unser tägliches Leben bringt. Das kann jeden aufrichten.


Es muss erwähnt werden, dass wir im FYÜ-System ein absichtliches Schlucken von Luft nicht anweisen und es wird auch nicht dazu ermuntert. Allerdings erkennen wir das automatische Auftreten davon an. Eine absichtliche Vorgehensweise sehen wir nicht als im besten Interesse vieler Übender. Wir stellen fest, dass die Übungen, die wir eingeführt haben, zu vielfältigen Ergebnissen führen. Es ist jedoch nicht nötig, dass wir uns auf eine absichtliche Übung des Verschluckens von Luft versteifen. Diese könnte, ginge man damit ins Extreme, ungesunde Auswirkungen hervorrufen.

Diese könnte, ginge man damit ins Extreme, ungesunde Auswirkungen hervorrufen.In meinem Fall war die Luftaufnahme ein automatischer Yoga. Es ereignete sich vor 25 Jahren über eine Periode von mehreren Jahren zusammen mit vielen anderen Dingen, die mit dem Aufkommen der ekstatischen Leitfähigkeit in Verbindung stehen. Zu bestimmten Zeiten konnte ich nicht anders, als Luft zu schlucken und die Wirkungen davon waren große Ekstase und Ausstrahlung, die vom Verdauungstrakt nach außen schien, und auch ziemlich viel Übertreiben, was umsichtige Selbstabstimmung erforderte. Für jeden, der sich also damit konfrontiert sieht, dass er Luft schluckt, steht Selbstabstimmung ganz oben auf der Tagesordnung. Vorsichtiges Begrenzen der Aufnahme von Luft wird uns auf unserem Pfand nicht behindern. Weniger ist mehr.


Auch Shatkarmas (Reinigungstechniken) spielen bei der Entwicklung der höheren Neurobiologie im Verdauungstrakt eine wichtige Rolle, vergleiche Lektion 312.


Denke daran, dass mit der Verfeinerung der ekstatischen Leitfähigkeit durch die umgebenden Gewebe Luft in den Verdauungstrakt kommt. Dadurch wird die Notwendigkeit, Luft zu verschlucken geringer. Verfeinerungen wie diese sind das, was mit allen Fortgeschrittenen Yoga Übungen im Laufe der Zeit geschieht. Sie tendieren dazu, sesshaft und verfeinert zu werden, bis hin zu dem Punkt, dass sie in uns fast unsichtbar werden, wenn die Reinigung und Öffnung im Nervensystem durchgreift. Gleichzeitig wird es für uns und für jene um uns herum offensichtlich, dass etwas tiefgreifendes Geschehen ist.


Das ist das, was man meint, wenn man von „Ganzkörpermudras“, einer Verfeinerung vieler Elemente unserer Yoga-Praxis, spricht. Dazu kommt es ohne Aufhebens im Hintergrund des täglichen Lebens, was zu einem Leben in ständiger ekstatischer Glückseligkeit führt. Wir machen immer noch unsere strukturierten täglichen Übungen. Doch ist es nicht mehr notwendig, das so angestrengt durchzuziehen, wie zu der Zeit, als anfänglich die Pfade geöffnet wurden. Es wird viel einfacher und automatisch, weil die Neurobiologie in ein höheres Funktionieren übergeht. Weniger wird zu mehr. Dann stellen wir fest, dass wir mehr zur Selbst-Analyse und Dienst (Karma-Yoga) neigen. Das führt zu einem enorm gesteigerten Fluss von Liebe und dem Aufkommen der Nicht-Dualitäts- bzw. Einheitserfahrung im täglichen Leben. Das nennen wir auch Stille im Handeln. Alle verfeinerten neurobiologischen Aktivitäten gehen weiter und spielen sich automatisch im Hintergrund ab.


Der Rat geht immer dahin, sich auf die Kultivierung der inneren Stille zu konzentrieren und die Elemente, die zur Kultivierung der Energie führen, mehr oder weniger in der Reihenfolge der FYÜ-Lektionen (entsprechend unserer Neigungen) mit ins Boot zu holen. Zur Aufnahme von Luft mag es kommen oder auch nicht, je nach dem, wie viel davon durch unsere zunehmend porösen Körpergewebe aufgenommen werden. Man braucht sich darüber keine Gedanken zu machen. Es gibt dazu keine bindenden Reglen. Asanas, Mudras, Bandhas, Kumbhaka und tantrische Sexualmethoden sind mehr als genug, um die Arbeit zu erledigen, ob man nun Luft verschluckt oder nicht. Tue das, was sich natürlicherweise ergibt.


Erinnere dich daran, dass es im Yoga nichts gibt, das alles tun wird. Wir brauchen eine effektive Integration von Methoden, die alle Aspekte unserer uns innewohnenden Fähigkeiten für die menschliche spirituelle Transformation stimuliert.


Der Guru ist in dir.

Über den Autor

Yogani

Yogani ist ein anonymer US Amerikaner, der 2003 begann, im Internet sein spirituelles Wissen in Form von Lektionen zu veröffentlichen und damit auf einen großen Kreis Interessierter weltweit traf. Im Laufe der Jahre entstand Daraus eine umfassende Bibliothek zu allen Aspekten des Yoga. Inzwischen gibt es viele Übersetzungen in andere Sprachen. Die Lektionen sind immer noch kostenlos abrufbar. Heute gibt es auch Bücher, Hörbücher, Ebooks und im Englischen eine PLus-Mitgliedschaft sowie ein gut besuchtes Forum.

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