Lektion 198 – Zielgerichtetes Bastrika – Ein Laser für die karmische Reinigung

In Lektion 171 haben wir die kraftvolle Übung des Wirbelsäulen-Bastrika eingeführt. Bevor Du mit dieser Lektion hier weitermachst, empfehlen wir, dass Du Lektion 171 wiederholst.

Hier betrachten wir zusätzliche Anwendungen von Bastrika als ein zielgerichtetes Hilfsmittel und stellen es dem eigenen Ermessen anheim. Warum?

Manchmal stoßen wir vielleicht irgendwo in unserem Körper auf eine wirklich hartnäckige Blockierung. Mit dem fokussierten Bastrika können wir sehr viel Druck auf einen bestimmten Bereich aufbauen, um das Karma buchstäblich wegzubrennen. Es ist wie die Anwendung von Laserchirurgie auf einen kleinen Bereich unseres Körpers. Dies kontrastiert sehr stark mit den „globalen“ Methoden der Meditation und Wirbelsäulenatmung, die wir als unsere Kernübungen beibehalten.

Es ist wichtig, dass wir die gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllen und auch unsere Yoga-Übungen in dem Maße und für den Zeitraum geübt haben, wie es notwendig ist, bevor wir das zielgerichtete Bastrika in unser Übungsarsenal einreihen. Dies kann man nicht stark genug betonen. Das zielgerichtete Bastrika ist keine Abkürzung zur Erleuchtung. In Wirklichkeit kann es uns ein beträchtliches Unbehagen bereiten, wenn wir es voreilig anwenden. Sind wir Neulinge im Yoga und versuchen es mit gezieltem Bastrika ohne die notwendige Vorbereitung durch die globale Reinigung mit Meditation und Wirbelsäulenatmung, können wir unangenehme Energieungleichgewichte in unserem Nervensystem erzeugen.

Denke also daran, dass das zielgerichtete Bastrika das übrigbleibende, hartnäckige Karma auswaschen soll. Es ist nicht dazu da, damit einen Bereich das erste Mal zu bearbeiten, weil wir denken, dies sei alles, was wir für eine gute Reinigung brauchen. So funktioniert das nicht.

Das zielgerichtete Bastrika ist ein naher Verwandter der Wirbelsäulenatmung. Wir arbeiten mit dem zielgerichteten Bastrika immer noch im Wirbelsäulennerv. Der Unterschied ist, dass wir bei unserem schnellen Bastrika-Hecheln den Aufmerksamkeitsbereich bei der Auf-und Abbewegung unserer Aufmerksamkeit im Wirbelsäulennerv einschränken

Sagen wir zum Beispiel einmal, dass wir unsere Meditationsübung, die Wirbelsäulenatmung und die dazugehörigen Mudras und Bandhas und auch das Wirbelsäulen-Bastrika einige Monate lang täglich geübt haben. Alles läuft schön glatt. Wir erleben etwas ekstatische Leitfähigkeit, die wir an einer aus der Wurzel aufsteigenden angenehmen Reaktion erkennen, sobald wir Sambhavi ausführen. Trotzdem fühlen wir immer noch einigen Widerstand im Bereich des dritten Auges zwischen dem Zentrum unseres Kopfes und dem Punkt zwischen den Augenbrauen. Dies ist dann möglicherweise ein guter Kandidat für das zielgerichtete Bastrika. Ich sage möglicherweise, weil wir das nur wissen können, wenn wir es versuchen. Versuchen wir es und spüren dort zu viel Widerstand, den wir mit dem zielgerichteten Bastrika nicht auf angenehme Weise beseitigen können, müssen wir zurückstecken und uns für einige Zeit wieder auf die weniger konzentriert wirkenden Hilfsmittel, d.h. Meditation, Wirbelsäulenatmung, Sambhavi, Yoni Mudra Kumbhaka usw. beschränken.

Wenn wir das zielgerichtete Bastrika einsetzen, dann legen wir es an das Ende unserer sitzenden Übungen: nach der Meditation, Samyama und Yoni Mudra, doch noch vor die Ruhephase. Wir bereiten uns genauso wie auf das Wirbelsäulen-Bastrika vor (die dazugehörigen Mudras und Bandhas eingeschlossen), doch begrenzen wir den Zyklus der Aufmerksamkeit während der schnellen Atmung auf den Bereich, auf den wir abzielen. Wenn wir uns also auf den Bereich zwischen der Kopfmitte und dem Zentrum zwischen den Augenbrauen konzentrieren, dann lassen wir unsere Aufmerksamkeit während dem Bastrika schnell dort hin- und hergehen. Die Aufmerksamkeit geht in dieselbe Richtung wie bei der Wirbelsäulenatmung und beim Wirbelsäulen-Bastrika – nach oben beim Einatmen und nach unten beim Ausatmen.

Erlernen wir das zielgerichtete Bastrika gerade, führen wir es nur zwei Minuten lang durch und lassen dann unsere normale Ruhephase am Ende unserer sitzenden Übungsroutine folgen (vorzugsweise legen wir uns für 5 – 10 Minuten hin). Dann beobachten wir genau, wie wir uns während unserer täglichen Aktivitäten fühlen. Kommt es da zu keiner ungemäßen Rauheit, dann wissen wir, dass das zielgerichtete Bastrika wahrscheinlich in Ordnung ist. Doch werden wir das erst nach einigen weiteren Sitzungen sicher beurteilen können. Sei deshalb vorsichtig mit der zeitlichen Ausdehnung des zielgerichteten Bastrika, bis Du sicher weißt, dass Du dadurch nicht ins Ungleichgewicht gerätst. Sobald wir wissen, dass wir damit krisenfest sind und immer noch wünschen, uns auf ein bestimmtes Gebiet zu konzentrieren, können wir die Zeit minimal auf drei Minuten erhöhen und später auch auf fünf Minuten. Dabei beobachten wir bei jedem Schritt die Auswirkungen auf unsere täglichen Aktivitäten.

Genauso wie das Wirbelsäulen-Bastrika kann auch das zielgerichtete Bastrika sehr viel Vergnügen bereiten und wir sollten vorsichtig sein, es nicht zu übertreiben, wenn wir damit ins Träumen kommen. Das kann passieren und wenn es passiert, kann das dazu führen, dass unsere sitzende Praxis ekstatisch ist, unsere tägliche Aktivität jedoch griesgrämig – dies ist nicht das, was wir langfristig wollen, weil das nicht tragfähig ist. Besser haben wir eine vergnügliche sitzende Praxis und fühlen uns auch in unseren täglichen Handlungen sehr wohl. Nach dieser Art Ausgeglichenheit streben wir. Auch unsere Freunde und Verwandten werden dies zu schätzen wissen.

Das zielgerichtete Bastrika ist von allen Übungen, die bisher vorgestellt wurden, diejenige, die am meisten dem eigenen Ermessen anheim gestellt ist. Sie ist für jene bestimmt, die in ihrer täglichen Routinepraxis ausreichend gefestigt sind und die eine klare Wahrnehmung ihrer inneren Stille und ekstatischen Leitfähigkeit in Beziehung zu örtlichen Widerständen im Nervensystem haben. Etwas Fertigkeit im „inneren Sehen“ sollte entwickelt sein, bevor man das zielgerichtete Bastrika einsetzt. Ohne die innere Wahrnehmungsfähigkeit ist die Nutzung des zielgerichteten Bastrika wie der Einsatz von Laserchirurgie ohne das Vergrößerungsglas, das man für ihre korrekte Ausrichtung braucht. Wer weiß, was ohne dieses Hilfsmittel mit dem Laser-Strahl herausgebrannt wird? Das innere Sehen kommt mit der ekstatischen Leitfähigkeit. Dann wissen wir, wo sich die Blockierungen befinden, können richtig darauf abzielen und dazu die Aufmerksamkeit im Wirbelsäulennerv zusammen mit der kombinierten Bastrika-Kraft oszillieren lassen. Selbst dann kann es noch zu zu viel Umbruch kommen und oft müssen auch diejenigen mit der inneren Sehkraft zurückstecken. Im Inneren ist die Welt noch nicht perfekt, solange nicht, bis wir all die Hindernisse gelöst und herausbefördert haben. Dazu dienen all diese fortgeschrittenen Yoga-Übungen und sie wirken auf verschiedenen Ebenen unseres Nervensystems.

Wo liegen einige der Stellen, auf die man das gezielte Bastrika anwenden kann?

Wir haben den Bereich des dritten Auges (Ajna) erwähnt. Dies ist eine sehr wichtige Stelle, weil die Reinigung des gesamten Nervensystems letztendlich vom völligen Funktionsfähig-Werden dieses Bereichs um das dritte Auge herum abhängt, denn dort liegt das „Kontroll- und Befehlszentrum“ unserer ansteigenden Erleuchtung.

Andere Bereiche, auf die das zielgerichtete Bastrika unserem inneren Sehen gemäß angesetzt werden kann, schließen die Kehle, das Herz, den Bauch- und den Beckenbereich ein. Bei fortgeschrittenen Yoga Übungen mit Pranayama ist es immer am besten, im Wirbelsäulennerv zu sein. So arbeiten wir im Wirbelsäulennerv auf jeder Ebene im Körper, auf der wir eine Notwendigkeit für gezielte Reinigung sehen. Der Wirbelsäulennerv ist das Fundament für alle spirituelle Reinigung und Öffnung des Nervensystems. Solange wir im Wirbelsäulennerv arbeiten, arbeiten wir mit dem in uns ablaufenden natürlichen Prozess der Evolution zusammen und damit halten wir unsere Reise der spirituellen Transformation sowohl progressiv wie reibungslos.

Ein anderer Bereich, auf den das zielgerichtete Bastrika je nach Bedarf angewandt werden kann, ist die Krone oder das Sahasrara-Chakra. Die Bedingungen dort unterscheiden sich völlig von denen jedes anderen Teils unserer spirituellen Neuro-Anatomie und wir behandeln das in der nächsten Lektion. Jede Übung an der Krone verursacht immense Rückwirkungen. Beginne also bitte nicht mit dem zielgerichteten Bastrika an der Krone, bevor Du nicht die nächste Lektion studiert hast und die empfindliche Dynamik, die damit verbunden ist, verstehst.

Ziehst Du den Einsatz des gezielten Bastrika irgendwo im Körper in Betracht, so gehe immer auf Nummer sicher und setze es immer im Wirbelsäulennerv ein. Es ist eine kraftvolle Übung, die nur dann ihre Wirkungen zeigen wird, wenn die notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind. Hat man den richtigen Nährboden geschaffen, kann das zielgerichtete Bastrika mit guter Wirkung angewandt werden und wird unsere stetig wachsende Erfahrung von ekstatischer Glückseligkeit kräftig steigern.

Der Guru ist in Dir.

Über den Autor

Yogani

Yogani ist ein anonymer US Amerikaner, der 2003 begann, im Internet sein spirituelles Wissen in Form von Lektionen zu veröffentlichen und damit auf einen großen Kreis Interessierter weltweit traf. Im Laufe der Jahre entstand Daraus eine umfassende Bibliothek zu allen Aspekten des Yoga. Inzwischen gibt es viele Übersetzungen in andere Sprachen. Die Lektionen sind immer noch kostenlos abrufbar. Heute gibt es auch Bücher, Hörbücher, Ebooks und im Englischen eine PLus-Mitgliedschaft sowie ein gut besuchtes Forum.

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