Lektion 134 – F&A – Yoga und die westliche Psychologie

Frage: Ich bin vor kurzem auf Deine Lektionen gestoßen und muss Dir sagen, dass ich die Förderung von Meditation und anderer Übungen in Eigenregie überhaupt nicht gutheiße. Wenn Menschen beginnen, sich auf sich selbst, die Empfindungen in ihren Körpern etc. zu konzentrieren, machen sie sich sehr verwundbar und zur selben Zeit haben sie die Gelegenheit, eine große Wahrheit aufzudecken: In Situationen, in denen sie keine Unterstützung bekommen, werden sie am Ende nicht besser oder sogar schlechter dastehen, weil sie nicht in der Lage waren, ihre Gefühle zu verstehen, ihre Schmerzen zu heilen und andere Emotionen auszudrücken, die vielleicht hinzukommen. Du behauptest, Reizbarkeit sei ein Ergebnis von Unausgeglichenheiten in den Übungen (Anmerkung: wie beim zu schnellen Herauskommen aus der Meditation) und da widerspreche ich vehement. Ich glaube, dass in der Meditation aufkommende Emotionen einen Grund haben und der einzige Weg auf eine größere Bewusstheit in dieser Situation hinzuarbeiten, ist, sich auf diese Emotionen zu konzentrieren, sie auszudrücken und sie zu verstehen. Ist eine Person erst einmal durch diesen Heilungsprozess hindurchgegangen, wird sie eine größere Bewusstheit erreicht haben. Geben Menschen das als etwas anderes aus, werden sie immer wieder durch denselben Zyklus gehen und das vielleicht den Rest ihres Lebens. In dieser Situation ist eine Betreuung sehr wichtig, weil der Hilfeleistende die Person dazu anleiten kann, sich durch die Situation hindurchzuarbeiten.

Antwort: Du hast möglicherweise etwas Wichtiges übersehen, was zur Meditation gehört: Wenn die Meditation richtig ausgeführt wird, sind die in einer einzelnen Sitzung aufgelösten Blockaden weg. Sie sind nicht mehr da. Es gibt also nichts mehr zu verarbeiten oder zu analysieren. Nur noch die innere Stille und das Licht, das aus unserem Inneren, wo vorher Blockaden waren, durchscheint, sind da. Man muss also schon klar sehen, wie diese Mechanismen funktionieren. Was wir vermitteln, ist effektiver Yoga, eine neurologische Reinigung, durch welche die Effekte von vergangenen Handlungen aufgelöst werden. Sie werden nicht auf der Ebene von Begriffen oder Bedeutungen, sondern neurologisch aus dem Inneren heraus durch das uns innewohnende reine Glückseligkeitsbewusstsein, zu dem wir in der Meditation Zugang finden, aufgelöst. Das ist keine Frage des Glaubens oder von Analysen. Dies ist ein mechanischer Prozess. Er greift bei jedem Menschen, der die Methoden anwendet, auch für jemanden der skeptisch ist.

Es klingt ganz danach, als seist Du ein Anhänger der westlichen Psychologie, die an die Oberfläche des Bewusstseins tretende Gefühle auf der Ebene der Bedeutung analysiert – Psychoanalyse. Dies hat einen gewissen Wert, ist jedoch weit von yogischen Methoden entfernt, die viel tiefer gehen, dorthin, wo keine analytischen Prozesse des Verstandes existieren. Die westliche Psychologie ist so etwas, wie die Wellen, die an der Oberfläche des Ozeans aufscheinen, während Yoga (besonders die tiefe Meditation) vergleichbar ist mit der Reinigung des Ozeans von Grund auf, auf Ebenen, auf denen keine Analyse möglich ist. Nur der Prozess der Reinigung ist da. Blockaden bestehen aus Energie, das Denken ist Energie. Yoga behandelt diese Dinge an der Wurzel, indem es über die Energie hinaus zu reinem Glückseligkeitsbewusstsein geht. Bedeutung ist eine weniger grundlegende Form neurologischer Energie, die man nahe der Oberfläche des Verstandes findet. Bedeutung ist sozusagen der Schwanz am Hund der Gedankenenergie und wir alle wissen, dass der Versuch, den Schwanz zu fassen um damit „den Hund zu wedeln“, nicht sehr effektiv ist. Wir können das zwar nutzen, wenn es uns hilft, uns in irgendeiner Form besser zu fühlen. Sind wir etwas anpassungsfähiger, werden wir aber auch täglich meditieren, was dann damit vergleichbar ist, einen Kuchen zu haben und ihn auch zu essen [oder wie man im Deutschen sagt: nicht nur zu studieren, sondern auch zu probieren (der Übersetzer)]. Es ist aber nicht klug zu versuchen, beide Methoden gleichzeitig auszuführen, weil dadurch keiner von beiden geholfen wird.

Beim Yoga geht es jedoch nicht nur um die Reinigung der Psychologie. Das ist nur ein Nebenprodukt. Beim Yoga geht es um die Erleuchtung, um einen direkten Pfad zur Ebene der Verwirklichung, wie sie z.B. Jesus, Krishna, Buddha, Lao Tse, Rumi usw. erreicht haben.

Verglichen mit den Methoden des Yoga befindet sich die westliche Psychologie diesbezüglich noch immer im Embryonalstadium. Bedenke, dass es die Psychoanalyse ein bisschen mehr als 100 Jahre gibt, während Yoga so ungefähr 5000 Jahre alt ist. Damit meine ich nicht, dass „die Zeit im Geschäft zu sein“ alleine etwas darüber aussagt, wie weit man fortgeschritten ist. Doch es ist ein ziemlich guter Indikator. Die Erfahrungen der modernen Yogapraktizierenden belegen die Ergebnisse aus der langen Geschichte des Yoga. Den Beweis dafür, dass man einen Pudding vor sich hat, erbringt man am einfachsten durch das Essen.

Vom Standpunkt des Yoga aus bezieht sich die Offenbarung „großer Wahrheit“ nicht vornehmlich auf ein intellektuelles Verstehen oder die Auflösung emotionaler Schwierigkeiten. Es geht darum, selbst zur Wahrheit zu werden. Dies erreicht man durch eine systematische Reinigung auf jeder Ebene des Erfahrungsinstruments, d.h. des menschlichen Nervensystems. Es ist die Göttlichkeit des menschlichen Wesens, die wir unter Nutzung lang erprobter Methoden hier aufschließen.

Rein logisch kommt man leicht zu dem Schluss, dass die westliche Psychologie viel vom vorurteilsfreien Studium der Yogamethoden lernen kann. Der große Psychologe Carl Jung hat dies am Ende seiner Karriere eingesehen.

Der Guru ist in Dir.

Über den Autor

Yogani ist ein anonymer US Amerikaner, der 2003 begann, im Internet sein spirituelles Wissen in Form von Lektionen zu veröffentlichen und damit auf einen großen Kreis Interessierter weltweit traf. Im Laufe der Jahre entstand Daraus eine umfassende Bibliothek zu allen Aspekten des Yoga. Inzwischen gibt es viele Übersetzungen in andere Sprachen. Die Lektionen sind immer noch kostenlos abrufbar. Heute gibt es auch Bücher, Hörbücher, Ebooks und im Englischen eine PLus-Mitgliedschaft sowie ein gut besuchtes Forum.

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