Lektion 252 – Selbstabstimmung, Hingabe und Erleuchtung

Frage: Kannst du bitte bezüglich der Selbstabstimmung von Yoga- und Meditationsübungen klarstellen, ob es hinsichtlich der Abstimmung von Übungen irgendwelche Grenzen gibt. Gibt es z.B. körperliche oder mentale Grenzen oder solche, die auf vergangenes ‚Karma’ zurückzuführen sind?

Ist es nicht möglich, die Befreiung noch in diesem Leben zu erfahren? Da der Herr Krishna in der Bhagavad Gita sagt, alle, auch noch so große Sünden können vergeben werden, wenn man sich Ihm hingebe. Was genau ist vollkommene Hingabe an Gott? Erkläre das bitte.

Antwort: Danke fürs Schreiben und Teilen.

Bei den Fortgeschrittenen Yoga Übungen blicken wir vom Standpunkt der Reinigung und Öffnung des Nervensystems auf Yoga. Der Zustand der Neurobiologie hängt vom Verstand, Körper und Karma ab. All dies spielt da mit hinein. Yoga hilft dem Nervensystem, sich auf natürliche Weise zu reinigen und zu öffnen und das will es von sich selbst aus. Dadurch wird Karma (Samskara – latente Eindrücke) aufgelöst und die Qualität von Verstand und Körper verbessert sich damit auch. Alles hängt auf diese Weise voneinander ab – all dies sind Aspekte desselben Dings, des Zustands unseres Nervensystems.

Die Selbstabstimmung bei den Übungen spielt dabei eine entscheidende Rolle, weil die Aufnahmefähigkeit für die Reinigung bei jeder Person unterschiedlich ist. Mithilfe der Selbstabstimmung kann man bestimmen, wie viele Übungen richtig sind – und wann es zu viel wird. So verhilft uns Selbstabstimmung bei den Übungen zu unserem eigenen Gleichgewicht. Dies ist sehr wichtig und wird in den FYÜ-Lektionen ausführlich diskutiert. Die Beschränkungen hängen mit unserer Fähigkeit zusammen, göttliche Energie „zu leiten“. Je mehr Blockierungen aus dem Nervensystem beseitigt werden, desto mehr göttliche Energie können wir durch uns leiten. Wird die sich im Inneren bewegende Energie ekstatisch, nennen wir das „ekstatische Leitfähigkeit“ und dies ist ein völlig ungefährliches und vergnügliches Aufkommen von Kundalini. Es ist ein allmählicher Prozess der inneren Reinigung, der stetig zu mehr innerer Erkenntnis, ekstatischer Glückseligkeit und von uns ausstrahlender göttlicher Liebe führt. Das ist der Sinn von Yoga.

Die herrschende Auffassung von „Sünde“ ist eine menschliche Erfindung und wird von der organisierten Religion oft dazu benutzt, ihre Anhänger klein zu halten. Vergleiche dazu die Lektion 132. Von dieser Vorstellung von Sünde halte ich nichts. Diese ist nur dazu da, die Menschen davon abhalten, sich auf die Suche nach ihrer eigenen göttlichen Bestimmung zu begeben. Die Blockierungen können aus dem Nervensystem entfernt werden und ja, alles kann man/frau in einem Leben erreichen. Aber auch wenn nicht, kann man/frau mit täglichen Yoga-Übungen riesige Fortschritte machen, sodass man im nächsten Leben viel näher bei der Erleuchtung anfängt als in diesem (siehe Lektion 74). Das muss jede Person für sich selbst entscheiden. In der Gita sagt Krishna, dass sogar nur ein wenig Yoga das Karma von vielen Leben abträgt. Das ist auch wahr. Wenn wir die Tür unseres Nervensystems auch nur für ein paar Monate mit täglicher tiefer Meditation öffnen, wird das göttliche Licht hereinströmen. Das ist es wirklich wert. In der Gita ermutigt uns Krishna, uns darauf einzulassen, oder nicht? Sich Ihm (bzw. was oder wer auch immer unser gewähltes Ideal ist) hinzugeben, bedeutet, sich der täglichen Yoga-Disziplin zu unterziehen. Dann fließt unser Herz jeden Tag mehr über mit Liebe und Hingabe an Gott in und um uns herum.

Völlige Hingabe an Gott ist gleichbedeutend mit dem „Zum-Göttlichen-Werden“ und dies ist unsere wahre Natur. Man entwickelt sich dahin nur schrittweise. Es geschieht nicht von einem Tag auf den anderen. Da sind Stufen zu durchlaufen. Zuerst geben wir uns dem Ideal hin, dass wir mehr wollen – vielleicht nur in der Form, dass wir uns die Frage stellen „Wer bin ich und warum bin ich hier?“ Haben wir diesen Anker der Hingabe einmal gesetzt, kann uns das dazu befeuern, mit einer täglichen Meditationspraxis zu beginnen. Stellt sich dann etwas innere Stille ein, können wir uns der Hinzunahme von Pranayama hingeben. Dies kann dann zu weiteren Übungen führen usw. An einer bestimmten Stelle steigt schließlich die göttliche Ekstase in uns auf und wir kommen schön langsam auf den Geschmack der ekstatischen Energien, die uns sichtbar aus dem Inneren heraus verwandeln. Zu einer völligen Hingabe kann es nur Schritt um Schritt und im Einklang mit unseren zunehmenden Erfahrungen kommen. Damit sich unsere Erfahrungen entwickeln, müssen wir täglich praktizieren. Deshalb gehen Hingabe und tägliche Praxis Hand in Hand. Dies ist der Grund, warum der Übergang vom Wunsch zur Hingabe an ein Ideal schon seit Beginn der FYÜ-Lektionen erörtert wird. Wir kultivieren direkte Erfahrungen auf jeder Stufe des Weges und die Hingabe stellt sich aufgrund des In-Verbindung-Stehens des Yoga automatisch mit ein. In der Lektion 149 findest du die Mechanismen beschrieben, wie die verschiedenen Aspekte des Yoga mittels unseres Nervensystems in Verbindung stehen. Schließlich erreicht unsere Erfahrung ein Niveau unerschütterlicher innerer Stille, ekstatischer Glückseligkeit und ausfließender göttlicher Liebe. Sind wir einmal so weit gekommen, sind wir zu dem geworden, dem wir uns hingegeben haben. Völlige Hingabe ist die Erleuchtung. Sie ist unwandelbar, jenseits aller Affirmationen und Strategien des Verstandes. Völlige Hingabe ist gleichzusetzen mit einem Herzen, das ständig mit göttlicher Liebe überfließt.

Ich wünsche euch allen Erfolg auf dem von euch gewählten spirituellen Weg. Viel Vergnügen!

Der Guru ist in dir.

Über den Autor

Yogani ist ein anonymer US Amerikaner, der 2003 begann, im Internet sein spirituelles Wissen in Form von Lektionen zu veröffentlichen und damit auf einen großen Kreis Interessierter weltweit traf. Im Laufe der Jahre entstand Daraus eine umfassende Bibliothek zu allen Aspekten des Yoga. Inzwischen gibt es viele Übersetzungen in andere Sprachen. Die Lektionen sind immer noch kostenlos abrufbar. Heute gibt es auch Bücher, Hörbücher, Ebooks und im Englischen eine PLus-Mitgliedschaft sowie ein gut besuchtes Forum.

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