Lektion 360 – Handlungen der Hingabe

Frage: Ich habe ein Problem mit der Hingabe. Einerseits hat mich das Leben sehr desillusioniert. Ich verspüre wenig Neigung, meine Übungen zu machen oder viel von irgendetwas anderem. Andererseits sagt man mir, ich solle mich „hingeben“, als würde mich das irgendwie regenerieren. Ich weiß nicht, was das bedeutet. Ich bin bereits so passiv, wie man nur irgendwie sein kann. Wie soll ich mich noch mehr hingeben als das? Und was kann ich von der Hingabe erwarten, falls und wenn ich sie jemals erreiche?

Antwort: Hingabe ist nichts Passives und vor allem kein Fehlen von Aktivität. Tatsächlich stellen wir in den FYÜ-Schriften oft das Wort „aktiv“ davor: „aktive Hingabe“.

Eine wirkliche Hingabe erfordert eine ernsthafte Anstrengung. So paradox das auch erscheinen mag, es ist trotzdem wahr. Viele Aspekte des spirituellen Lebens implizieren ein Paradox. Es ist unsere Aufgabe, uns davon nicht abschrecken zu lassen und weiterzugehen. Dann sehen wir, wie es sich für uns darstellt.

Bist du mit deiner jetzigen Situation unzufrieden, dann bist du nur einen winzigen Schritt von fruchtbarer Bhakti (spirituellem Wunsch) entfernt. Diese wird dein Leben transformieren. Du brauchst nur auf deine Unzufriedenheit auf eine Weise, von der du fühlst, dass sie dich weiterbringen kann, reagieren. Es gibt tausend Wege das zu tun. Sich in Reue zu suhlen, ist keiner davon. Machst du es dir zur Gewohnheit, in deinem besten Interesse zu handeln, wird sich alles zum Besseren verändern. Das ist das Ergebnis von Hingabe an und Reaktion auf einen Ruf, der uns aus jedem Aspekt des Lebens entgegenschallt. Sage einfach „Ja“ und tue es.

Das Handeln mit dem Ziel, wahrgenommene Unzulänglichkeiten in unserer Situation zu transformieren, ist ein systematischer Ansatz, der unsere emotionale Energie nutzt. Dabei ist es unerheblich, ob die Energie positiv oder negativ ist. Beide Arten von Energien kann man einsetzen, um vorzügliche Ergebnisse zu erzielen. Ärger ist für Bhakti genauso nützlich wie Leidenschaft. Es ist möglich, diese Energien auf Wegen zu verwenden, die unseren spirituellen Fortschritt enorm verbessern können. Vergleiche dazu die Lektionen 67 und 340.

Bhakti ist das Umlenken unserer emotionalen Energie hin zu einem höheren, von uns selbst gewählten Ideal. Wenn wir also im Haus dahinschmachten, darüber nachgrübeln, dass wir nichts zu tun haben und deswegen ein Gefühl der ichbezogenen Unzufriedenheit genährt haben, können wir diese Energie nutzen, indem wir sie einfach auf das Ziel hinlenken, aus dem Haus herauszukommen. Wir können die auftretende Unlust nehmen und genau das Gegenteil tun. Wir können uns bei einem Yoga-Kurs oder einem anderen Trainingsprogramm anmelden. Gehören wir nicht zu den Leuten, die sich gern einer Gruppe anschließen, können wir einem Nachbarn behilflich sein, uns ein Haustier anschaffen, um uns darum zu kümmern, oder im Hinterhof einen Garten anlegen. Haben wir noch niemanden, um den wir uns kümmern, kann die Hinzunahme von etwas derartiger Verantwortungen ungemein dabei helfen, uns vom Trübsinn zu befreien. Kümmerst du dich schon um etwas oder um jemanden, außer dir selbst? Falls nicht, überlege mal, ob das nicht möglich wäre. Wenn dir nichts anderes zusagt, dann mach zumindest jeden Tag einen schönen langen Spaziergang.

Verlegen wir uns ernsthaft auf eine tägliche Routine mit sitzenden spirituellen Übungen wie der tiefen Meditation, wird uns das natürlich noch Extra-Energie verleihen und uns immer mehr dazu verhelfen, unsere Situation als das anzusehen, was sie ist: Eine Trägheit, die sich in unser Leben eingeschlichen hat und die man auf einfache Weise umlenken kann, indem man aufsteht und etwas anfängt.

Ist unsere Malaise psychologisch chronisch oder ist sie mit dem Konsum von Alkohol oder anderen schwächenden Substanzen verbunden, dann werden wir weise daran tun, diese Erkenntnis in das Einholen professioneller Hilfe umzumünzen. In diesem Fall werden diejenigen, die sich um uns kümmern, Lösungen finden, und wir sollten ihre Ratschläge berücksichtigen.


Alle Zustände sind nur Stufen auf unserem Pfad und wir sind dafür verantwortlich, uns zur nächsten Stufe weiterzubewegen, ob wir Hilfe erhalten oder nicht. Es ist nicht möglich, sich um die Verantwortung herumzuschleichen, die wir für unser eigenes Leben tragen.

Wir können mit kleinen Schritten beginnen und sie allmählich ausweiten. Schau auf das, was sich heute vor dir befindet. Du hast eine Wahl. Bleibst du auf der Couch liegen oder stehst du auf und gehst nach draußen? Das hängt alles von dir ab.

„Hier ein paar einschlägige Verse eines berühmten Gedichts von Jelaluddin Rumi:

„Geh weiter, auch wenn es keinen Ort gibt, wohin man gelangen kann.

Versuche nicht durch die Entfernungen hindurchzusehen.

Das ist nicht für menschliche Wesen.

Bewege dich nach innen, doch nimm nicht den Weg, auf den dich die Furcht treibt.

Heute, wie an jedem anderen Tag, wachen wir leer und eingeschüchtert auf,

Lass die Tür zum Studierzimmer zu und beginne nicht zu lesen. 

Nimm ein Musikinstrument in die Hand..Lass die Schönheit, die wir lieben, das sein, was wir tun.

Es gibt Hunderte Wege, sich hinzuknien und den Boden zu küssen.“

Es ist also ratsam, dass du dich in aktiver Hingabe auf dem Pfad des Fortschritts, der in diesem Augenblick vor dir liegt, weiterbewegst. Sobald du einmal ein paar Schritte alleine gegangen bist, wirst du feststellen, dass du auf dem Pfad eine Menge inspirierende Gesellschaft findest. Diese ersten paar Schritte mögen dich ein bisschen herausfordern, weil du in deinem Leben ein neues Momentum aufbaust. Danach wird es viel einfacher. Versuche es und du wirst sehen.

Alles Gute!

Der Guru ist in dir.

Über den Autor

Yogani

Yogani ist ein anonymer US Amerikaner, der 2003 begann, im Internet sein spirituelles Wissen in Form von Lektionen zu veröffentlichen und damit auf einen großen Kreis Interessierter weltweit traf. Im Laufe der Jahre entstand Daraus eine umfassende Bibliothek zu allen Aspekten des Yoga. Inzwischen gibt es viele Übersetzungen in andere Sprachen. Die Lektionen sind immer noch kostenlos abrufbar. Heute gibt es auch Bücher, Hörbücher, Ebooks und im Englischen eine PLus-Mitgliedschaft sowie ein gut besuchtes Forum.

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